Day 1-5 / Auf ins Abenteuer

Aktualisiert: 12. Okt 2020

So ihr Lieben,

nun war es also soweit, das Abenteuer Sabbatical konnte beginnen.

(English text here)

Nachdem der Bagpack gepackt war und ich mich von meinen Lieben auf Zeit verabschiedet hatte (siehe vorherige Blogposts) sollte es Mittwoch los gehen. Aber welch Wunder - es kam mal wieder anders als gedacht ;-) Einerseits leider aufgrund persönlicher Umstände. Andererseits, wer am Tag zuvor noch einen vollgepackten Terminkalender mit zwei großen Projekten im Office hat, sollte sich ja nicht wundern, wenn man erst um neun Uhr abends den Laptop zuklappt und die Abwesenheitsnotiz für (WOW) drei Monate einstellt - die Projekte an die Kollegen wurden natürlich schon step by step übergeben, danke by the way an meine lieben Kollegen, die hier auch mitlesen - ohne Euch wäre meine Reise auch nicht möglich. Zurück zu meinem ursprünglichen Plan am nächsten Tag um 09 Uhr starten zu wollen - über den meine Kollegen übrigens auch nur schmunzelten. Zusätzlich hat an dem Abend dann schön noch der ungebetene Gast Migräne an der Tür geklopft - unüberhörbar leider. Okay, habs verstanden - so ein Tag Ruhe zwischen Trubel und Reise muss drin sein. Habe ich mir dann auch genommen um "in Ruhe" den Insolvenzantrag für die Reiseagentur meiner Flugbuchung abzuwickeln, die just an diesem Tag eintrudelte mit "Bitte um umgehende Bearbeitung". Und ja, ich habe auch ein paar Stunden nichts gemacht, wirklich :)

Donnerstagmorgen ging es dann also entspannt und ohne Migräne los. Nach den letzten Umarmungen, ein paar Tränchen, besonders viel Leckerli für meinen Kater Findus und voller Vorfreude startete ich den Motor meines treusten Begleiters in den kommenden Wochen. 54.412 km zählt der gute Golf zum Start, schauen wir mal wo wir nach den drei Monaten liegen!


Der erste Halt für mich war in Regensburg geplant. Hier wohnt und arbeitet Maria, die ich durch meinen Job bei Heidelberg kennen gelernt habe - über die Monate ist eine enge Freundschaft entstanden und während wir im vergangenen Jahr so manche Hürde bei Projekten im Digitaldruck mit Primefire erfolgreich meisterten waren es zuletzt eher die Gipfel beim wandern (ich frage mich gerade was anstrengender war Maria ;-)). Da Maria nicht mehr bei Heidelberg arbeitet, freute ich mich umso mehr sie wieder zu sehen und ihre Familie kennen zu lernen, die mich zum Lunch eingeladen hatten. Zunächst gab es aber eine Führung in der Druckerei der Familie, da fühlte ich mich doch sehr heimisch bei all dem Heidelberg Equipment ;-) Das familiengeführte Unternehmen hat mich sehr beeindruckt - allem voran die Leidenschaft für das was sie tun. Und das ist das wichtigste Erfolgskriterium aus meiner Sicht. Ich freue mich so sehr für dich Maria, dass du in diesem Umfeld weiter wachsen darfst und sicher viel lernen wird. Ich bin stolz auf dich meine Liebe und weiß du wirst deinen Weg ganz phantastisch meistern, das hast du schon bei Heidelberg mehr als bewiesen! Mit Maria starte ich übrigens das neue Format auf meiner Website "People of my Europetour" - hier stelle ich die Begegnungen meiner Reise vor, denn es sind doch vor allem die Menschen und Gespräche, die das Abenteuer so besonders machen. Dazu die nächsten Tage mehr.


Anschließend ging es Richtung Passau zu einem weiteren Herzmensch. Genau wie in Regensburg hatte auch Passau kurz vor meiner Ankunft beschlossen, dass der Regen der Sonne weichen sollte. Was ein Glückskind - ich wurde die ersten Tage wirklich sehr verwöhnt mit dem Wetter. Kristina hat drei Jahre bei mir in der WG gewohnt und wie sagte sie bei der Einladung zu ihrer Hochzeit im kleinsten Kreis vergangenes Jahr "du bist ja quasi auch Familie" - jap, so könnten wir das stehen lassen. Wenn auch nur für eine Übrnachtung, freute ich mich Kristina und Felix wieder zu sehen und das schöne Passau für ein paar Stunden zu genießen. Die Stadt ist absolut sehenswert, die schönen Gässschen, entlang am Ufer, die kleinen Cafes - man sagt wohl auch das "Bayrische Venedig". Den Vergleich werde ich hoffentlich bald ziehen können, denn Venedig möchte ich in den nächsten zwei Wochen auch anfahren! Das schönste Geschenk aus Passau (neben der süßen Reise Notfall Box von Kristina) ist das Vertrauen von Freunden wie dir - "du wirst deinen Weg finden, wir glauben an dich, wir wissen wie mutig du gerade bist und wir sind bei dir". Ich bin für den Support meiner Freunde und auch Familie sehr dankbar.


Am nächsten Tag ging es dann Richtung Salzburg, genauer gesagt Seekirchen am Wallersee (außerhalb vom Zentrum und die grüne Zone hinsichtlich Corona Infektionen - ja, da ist Österreich einigen Ländern ein Schritt voraus, hier ist das Ampelsystem sehr hilfreich um den Verlauf von Zahlen auf einen Blick zu verstehen und nicht wie bei manch anderen Regionen und Ländern in denen ich gefühlt eine Bachelorarbeit geschrieben habe, um an Ergebnisse zu kommen und Entwicklungen ableiten zu können). Ich hatte ein süßes Airbnb Zimmer gemietet und bin im Nachhinein so froh, hier gelandet zu sein. Wie Line und die Mädels nun wieder sagen würden "Schicksal". Bei Elenora ist es nicht nur super gemütlich und man fühlt sich wie zuhause, sie vermietet gleich zwei Zimmer und so hatte ich Christina kennengelernt, die gerade durch eine Tagung zu Besuch ist. Auch wenn ich skeptisch war, wie der Kontakt zu anderen sein wird, während man alleine in Corona Zeiten reist und nicht in Hostels schläft, habe ich gehofft, dass alles irgendwie klappen wird. Meine liebe Kollegin Claudia meinte noch bei unserem letzten Lunch "da mache ich mir bei dir gar keine Sorgen, du wirst sicher Menschen kennen lernen". Ja, da hattest du Recht Claudia, schon im ersten Airbnb hatte ich so tolle Gespräche - zwar keine riesen Gruppen wie in Hostels, aber das braucht es ja auch nicht unbedingt. Es war ein super schöner und spannender Austausch, Christina ist Physiotherapeutin und hat sich kurz vor dem Lockdown selbständig gemacht und dann kam natürlich alles anders als gedacht - perfect Timing. Über die Bedeutung der Arbeit für sie, das Aufwachsen auf einem Biobauernhof und so manch anderes haben wir bis in den späten Abend gequatscht. Am Ende lud sie mich zu sich nach Innsbruck und zu Freunden von sich auf den Bauernhof in Kärnten ein, hat bereits mit ihnen telefoniert und Absprachen organisiert und ich bin gerade am planen ob und wie ich es einrichten kann. Ob es final klappt oder nicht - trotzdem schon einmal tausend Dank für deinen Support!


Landschaftlich hat mich das Salzkammergut schon vergangenes Jahr so fasziniert. Nach einer verschleppten Lungenentzündung habe ich vor genau einem Jahr eine Woche Urlaub in dieser Region gemacht und es hat mir so gut getan. Deshalb freute ich mich umso mehr auf das Salzburger Umland. Salzburg selbst kenne ich auch sehr gut - meine Lieblingsstadt in Österreich, wollte ich aber aufgrund der steigenden Infektionszahlen meiden. Freitag lachte die Sonne wieder für mich und so ging es direkt nach dem Check In auf den Berg. Gerade mal 20 Minunten entfernt ist der Wolfgangsee, von dort aus fährt eine historische Zahnradbahn zur Scharfbergspitze. Das habe ich eher durch Zufall entdeckt und bin sehr glücklich über diese tolle Fahrt zum Gipfel. An meine lieben Freunde von Instagram "man müsse da hoch wandern, dass man für den Anstieg belohnt wird" - sorry to say, aber ich muss gerade so ziemlich gar nichts ;-) Außer darauf zu achten, was ich gerne tun und lassen will. Und am zweiten Tag alleine als Frau und noch verletzt aus der 30 km Wanderung von vor zwei Wochen (egal, we made it Ilja und Lorena :)) fühlte sich für mich die Fahrt zum Gipfel passender an. Und oben hat es sich auch schön und sicher gewandert! Mama, Papa - ich hoffe das beruhigt Euch auch zu lesen ;-)


Der Ausblick auf die Berge ist traumhaft, egal ob Berge oder Meer, ich könnte stundenlang in die Ferne schauen und es ist so erholsam. Gerade zur aktuellen Zeit malt die Natur in den schönsten Farben. Ich kann die Aussicht und Fahrt auf jeden Fall empfehlen, ist auch super für alle Familien mit Kids (Janine, Jonas hätte hier seinen Spaß :))


Was ich am meisten liebe ist einfach los zu fahren und zu halten wo es mir gefällt, das ist natürlich der Vorteil wenn man mit eigenem Auto reist. Und so habe ich noch einige wundervolle Stopps entdeckt, die ihr in den Fotos finden könnt. Faszinierend finde ich immer wieder die kleinen Seen in denen sich die Berge und Wälder spiegeln, genau wie die Bergkapellen und Bäche, die sich ihren Weg durch die Landschaft suchen.


Heute morgen ging es dann zum Fuschlsee, hier hatte ich mich mit einer ehemaligen Künstlerin aus der Agentur ah-Live (das Start Up das ich aufbauen durfte) zum wandern verabredet. Wir sind über die Jahre immer im Kontakt geblieben und so freute ich mich sehr auf das Wiedersehen. "Laura, morgen soll es regnen, magst du trotzdem wandern gehen?", fragte Clara noch am Tag zuvor. "Na klar, wir sind doch nicht aus Zucker", waren wir uns beide einig. Außerdem wurde ich die letzten Tage ja mit Sonne verwöhnt und der ein oder andere Regentag bei drei Monaten Reise lässt sich wohl ohnehin nicht umgehen ;-) Achso und da war ja noch der süße Charly - der Hund von Clara, der uns beim Fuschlseerundweg begleitete. Am Fuschlsee hatte ich schon einmal vor über zehn Jahren mit meiner Familie Urlaub gemacht, es war ein wundervoller Urlaub mit spannenden Ereignissen, über die wir heute noch alle lachen. Deshalb war es auch schön wieder an den Ort zu kommen und Erinnerungen Revue passieren zu lassen. Erinnerungen haben Clara und ich auch einige geteilt - gemeinsame und verbindende. Und so verflogen die vier Stunden wie im Fluge. Clara ist ein so besonderer Mensch, auch sie stelle ich bei "Friends and friends of friends Europetour" vor. Schaut doch mal vorbei. Sie ist nicht nur Musikerin sondern hat so wertvolle Gedichtsbänder veröffentlicht, Zeilen, aus ihrer Seele, die sie mit den Lesern teilt und die wirklich berühren. Mutig und so wichtig - Danke, dass du uns daran teil haben lässt liebe Clara.

So richtig geregnet hat es übrigens erst nach ein paar Stunden, als wir gemütlich beim Italiener aufgewärmt in der Stube saßen, Pizza bestellt und den Blick auf den See genossen haben. Ein perfekter Tag, danke Clara für deine Offenheit und Freundschaft.

Und an diesem Tag bin ich dann auch so wirklich angekommen. Langsam realisiere ich, dass es jetzt tatsächlich los geht. Bzw. ich schon mitten im Abenteuer stecke.


Ich war bisher mehr von Menschen umgeben als alleine, was ich in dieser Situation so nicht erwartet aber mir natürlich gewünscht habe. Ich habe schon jetzt so viel Offenheit und Hilfsbereitschaft erfahren. Die Natur hat mich wieder in ihren Bann gezogen und ich merke wie mein Herz und die Speicherkarte meiner Kamera freudig beansprucht wird :) Einige haben mich auch kontaktiert, ob alles okay ist, weil ich mich ein paar Tage nicht gemeldet habe. Alles ist bestens meine Lieben und ich freue mich, dass ihr an mich denkt. Aber ich freue mich auch mal ein paar Tage abzuschalten und Lorena bekommt als Sicherheit ein tägliches Lebenszeichen von mir :) Ich antworte Euch auch, aber nicht immer am gleichen Tag - und freue mich riesig von Euch zu lesen!


Nun wünsche ich Euch ein schönes Restwochenende, bei mir startet dieses mit einer Planänderung (welch Überraschung :-)) - auch wenn ich nicht in Salzburgstadt war, hier in dem Örtchen keine erhöhte Infektionsrate ist, ist die ganze Bundesregion Salzburg aus Sicht der Schweiz als Risikogebiet eingestuft worden. Demnach kann ich nicht wie geplant morgen in die Schweiz reisen und werde noch ein paar Tage in Österreich verweilen und dann nach Italien aufbrechen. Es bleibt spannend - mein ganz persönliches Abenteuer Sabbatical in 2020, seid gespannt, wie es weiter geht!


Eure Laura




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