Day 24 - 29/Schweiz du machst mich arm, aber so glücklich!

Aktualisiert: 10. Nov 2020

Grüezi mitenand,


entschuldigt die kleine Verspätung - und eigentlich brauche ich mich ja überhaupt nicht zu entschuldigen ;-) Aber ich weiß ich bringe hier einige Routinen durcheinander, denn mein Blog wird gerne als Wochenausklang- oder wöchentliche Officestartlektüre genutzt. Darüber freue ich mich und bin mir sicher ihr könnt Euch mit ein wenig Flexibilität ebenfalls arrangieren ;-) Ich hoffe es geht Euch allen gut!

English Text here


Wie es mir geht? Unbeschreiblich gut. Was ich im letzten Blog als Headline nutzte "Wenn jeder Tag schöner wird als der zuvor" hat sich einfach so weiter entwickelt. "Das ist wohl der Zauber von dem alle Reisende sprechen, die etwas länger unterwegs sind", schrieb ich einer Freundin vor ein paar Tagen. Ich kann es gar nicht so wirklich fassen und denke manchmal ich träume. Es ist so unwirklich in einer Zeit, in der das Leben von allem anderen als "Leichtigkeit" dominiert wird. Und ich hielt es so auch nicht für möglich und bin einfach dankbar und hoffe Euch ein paar "leichte Momente" schenken zu können.


Nun wartet eine geballte Ladung Schweizer Abenteuer auf Euch, also macht es Euch wieder gemütlich und freut Euch auf die nächste virtuelle Reise. Insbesondere die Fotos werden Euch sicher einen tollen Einblick in dieses phantastische Land geben.


Starten wir doch zunächst einmal wieder mit den Learnings der Woche:


- Meine Kompromissregel bezgl. Toleranz von Geschwindigkeiten im Verkehr + 10 bis 20 % in Deutschland bzw. +200 % in Italien hat sich in der Schweiz radikal zu - 10 % entwickelt - um meine Rente aufgrund eines möglichen Verstoßes nicht zu gefährden.

- Das Postauto transportiert hier nicht nur Briefe, sondern auch menschliche Fracht!

- Ich spreche jetzt nur noch mit angehängten "Li" - Guats Tägli!

- Ich habe neue Lieblingsworte und freue mich jeden Tag wenn ich sie höre, unter anderem: parkieren im Stedtli und luagen (wir lugen aus dem Fenster)

- nachdem auch an der dritten Tankstelle das Benzin günstiger war als Diesel verstand ich, dass es kein gepanschtes Super ist, sondern Schweizer Realität - Diesel ist hier steuerbedingt teurer!

- Ich habe meine Eis Challenge angepasst und mit einer gleichwertigen gesunden Alternative ersetzt: jetzt heißt es jeden Tag eine neue Sorte Schokolade testen - das Leben kann schon verdammt hart sein!

- Wenn du deinen Freunden in der Heimat Sonntags einen schönen Arbeitstag wünschst, dann weißt du, du bist voll angekommen im Reisefieber!

- Käsefondue braucht kein Wasser, sondern Wein - und Birnen, für die gesunde Komponente! (Lara ich höre dein Herz aus Würzburg schon bis hierher höher schlagen)

- Auch im abgelegensten Ort ohne Zivilisation wartet sicher eines auf dich: eine Parkuhr - "parkieren ohne Geld zu verlieren" - unmöglich in der Schweiz!

- Man schafft viel mehr als man denkt - wenn man nur an sich glaubt und vertraut!


Die Schweiz empfing mich mit strahlendem Sonnenschein! Was freute ich mich als ich die Grenze passierte, denn noch vor wenigen Wochen machten mir die neuen Reiseregeln einen Strich durch die Rechnung und ich konnte leider nicht aus Salzburg nach Bern reisen. Als ich nun meine Vignette kaufte fragte ich wie selbstverständlich auf Deutsch nach dem Weg und stellte schnell fest, dass ich mich zwar in der Schweiz befinde, aber deshalb noch lange keiner Deutsch spricht. Okay verstanden, das einzige was sich also hinter der italienischen Grenze geändert hat sind die Preise und Währung. Und der Verkehr - schlagartig wurden auch von italienischen Fahrzeugen zuvor scheinbar nicht existierende Geschwindigkeitsregeln auf den km/h genau eingehalten - Wahnsinn, da soll mal einer sagen, die Italiener wären nicht anpassungsfähig! Ich hatte da die ersten Tage so meine Probleme und musste Bertha immer wieder etwas fluchen lassen, um zu verinnerlichen, dass ich mein Geld hier doch lieber in den teuren Alltag als in Strafzettel investiere. Weniger überraschend übrigens, dass die erste Werbung, die mich in der Schweiz begrüßte, die einer Bank mit dem Anpreisen günstiger Finanzierungskredite war - ja, das nenne ich passendes Marketing, die Menschen "da abholen, wo sie gerade stehen". Willkommen in der Schweiz!


Mein erster Stopp war Locarno. Das Städtchen im Tessin liegt am Lago Maggiore am Fuße der Alpen. Das Zimmer das ich hier gebucht hatte lag in Brione sopra Minusio. Gut, dass ich mit dem Auto angereist bin, die Anreise zu Fuß hätte mich die schöne Aussicht bei den Höhenmetern wohl vergessen lassen. Manchmal ist es einfach eine Überraschung, wenn man bucht ohne so richtig zu wissen, wo man landet - hier bin ich auf jeden Fall pünktlich zum Sonnenuntergang gelandet, der die Berggipfel wieder glühen ließ und ersten Nebel mit sich brachte.


In Locarno lernte ich auch Claudio kennen, er ist Künstler und bereitet gerade einige Gemälde für eine Ausstellung in Paris vor. Es war super spannend mit ihm über den Wert von Kultur bzw. Gemälden zu sprechen und über die unterschiedlichen Ansichten und Interpretationen von Kunst. Danke für den interessanten Austausch!


Am nächsten Tag wartete eine kleine Runde in Locarno und anschließend eine tolle Wanderung, die mir meine liebe Freundin Alisa empfohlen hatte. Mit Alisa habe ich übrigens hier die vergangenen zwei Tage verbracht, doch dazu im nächsten Blogbeitrag mehr.

Wer in dieser Region Urlaub macht, der sollte unbedingt diese schöne Wanderung mitnehmen - eine der schönsten, die ich bisher erleben durfte. Die Wanderung im Verzascatal startet in Sonogno und endet in Lavertezzo. Ich bin also mit dem Auto nach Lavertezzo gefahren und auf die Frage, ob ein Bus nach Sonogno fahren würde, sagte man mir vorab "Sie können das Postauto nehmen". Mein verwunderter Blick amüsierte den Herren im Hotel sehr und er befreite mich schnell von der Vorstellung, wie ich mit meinem Wanderrucksack zwischen Paketen im Frachtraum eines Lieferwagens zum gewünschten Zielort gelange. "Das ist wie ein Bus, heißt bei uns nur Postauto", sagte er. Na gut, dann hätten wir das ja geklärt :-)


Der Name Verzasca geht auf «verde acqua» zurück und bedeutet grünes Wasser. Und so ist es auch – smaragdgrünes Wildwasser! Mit Brücken, Wäldern, Kuhweiden, verträumten Tessiner Bergdörfern und der berühmte Brücke Ponte dei Salti lädt die herrliche Wildflusslandschaft des Verzasca-Tales zum Wandern und Verweilen ein. Die Wanderung umfasst ca. 15 km und je nach Laufrichtung 300 oder 700 Höhenmeter. Es gibt auch besonders familienfreundliche Abschnitte, hier wartet nach jedem Kilometer ein Abenteuerplatz aus Holzbahnen. So haben viele Schweizer Kinder ihren eigenen persönlichen Holzball (wie ich bei vielen Wanderungen danach auch mitbekommen habe), den sie mitbringen. Alternativ sind diese auch an einem Automaten erhältlich. Und so steht dem Spaß auf der Wanderung mit Kids nichts mehr im Wege, denn beim Ausschau halten nach der nächsten Holzbahn vergessen die kleinen Wanderer auch schnell die zurückgelegten km und werden so schnell nicht müde. Wie nachhaltig und was für eine schöne Sache!


Die Wanderung war wunderschön, so abwechslungsreich und ich wiederhole mich - aber die Farben des Herbstes in Kombination mit dem kristallklaren Wasser des Flusses und dem blauen Himmel - ein Traum! Seht selbst!


Anschließend ging es für mich nach Interlaken, ohne zu wissen, dass aus den geplanten fünf Nächten, sechs, sieben und letztendlich 11 wurden! Was ein Glücksfall. Die Unterkunft war nicht nur ein absolutes Schweizer Schnäppchen (und das ganz ohne Ironie!), das Airbnb verfügt über Parkplatzmöglichkeiten (natürlich gegen Aufpreis, aber daran habe ich mich ja gewöhnt), liegt schön zentral (in wenigen Minuten ist man in der Stadt) und ich fühle mich hier wie zuhause! Einfach schön und modern und mit Lage im 6. Stock ohne Aufzug auch gleich ein Workout dazu - dafür ist die Aussicht auf die Berge umso schöner! :) Ich werde Euch die Unterkunft noch verlinken, wie auch meine bisherigen Stopps (da einige schon nach Empfehlungen gefragt haben, mache ich mal eine Übersicht mit allen Unterkünften, wenn ich etwas Zeit habe). Die nützlichste Überraschung hier war übrigens das mobile W-Lan, denn ich kann das Airbnb W-Lan einfach mitnehmen und überall nutzen (durch einen mobilen Router). Außer der Akku ist leer ;-) Schon zwei Tage ohne mobile Daten haben mir schmerzhaft verdeutlicht wie oft man sein Handy doch für Wegbeschreibungen oder Infos beim Reisen braucht. Und so komme ich gerade auch in den Genuss am See zu sitzen, diesen Blogbeitrag zu schreiben, während ich warte dass die Waschmaschine eine Straßenecke weiter fertig wird. Travellife as its best!


Warum Interlaken? Hauptsächlich die Lage. Der Ort selbst ist ganz nett, aber sicher nicht der Grund hier 11 Tage zu verbringen. Aber von Interlaken ist man flink in Lauterbrunnen, Grindelwald, Thun, Bern, Luzern usw. Auch Genf ist von hier recht gut zu erreichen, das habe ich aber aufgrund der aktuellen Coronasituation gemieden. Und eines habe ich ohnehin schnell fest gestellt: ich komme sicher sowieso wieder!


Meine erste Wanderung in Interlaken war quasi auf dem Weg dorthin - ich machte einen Halt am Intschi. Intschi ist für den Arnisee bekannt, ein kleiner Bergsee nahe des Gipfels. Eigentlich hatte ich nur geplant eine gemütliche Runde um den See zu laufen, war nicht wirklich auf eine Wanderung eingestellt, aber als sich die Sonne zwischen den Bergen zeigte wollte ich doch lieber den Abstieg machen als die Bahn zu nehmen. Da ich meinen Laptop und meine Kameraausstattung ungern im Auto lasse (wie gesagt ich war auf dem Weg von Locarno nach Interlaken), hatte ich ein zusätzliches workout mit gefühlt 50 kg Gewicht auf dem Rücken. Nun gut, war schön, aber würde ich das nächste Mal dann ohne das Gepäck machen, denn so mancher Abschnitt war mehr klettern als wandern. Aber die Aussicht auf die Region Uri hat sich gelohnt.


Am nächsten Tag wartete "Top of Europe" auf mich. Eisige Luft auf 3454 Metern standen auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin machte ich noch einen Halt in Lauterbrunnen, eines meiner vielen Highlights in der Schweiz. Das Bergdorf ist für den imposanten Wasserfall bekannt, der scheinbar vom Gipfel des Berges im freien Fall mitten ins Zentrum prasst. Wunderschön anzusehen und hören! Wie aus dem Bilderbuch, wenn ihr die Chance habt, besucht diesen Ort unbedingt.

Dann ging es mit der Bahn hoch zur kleinen Scheidegg, ein weiteres Highlight. Von dort hat man einen phantastischen Blick auf die verschneiten Gipfel und ins scheinbar endlose Tal mit all den Berghütten. Dieses Panorama hat mir noch besser gefallen, als auf dem Jungfrauenjoch, da es vielseitiger ist. Von hier aus kann man auch einige Wanderungen starten. Ich selbst habe auf dem Rückweg vom Jungfrauenjoch nochmal bei der kleinen Scheidegg Halt gemacht und eine kurze Wanderung zum Sonnenuntergang gemacht. Hier habe ich wieder ein paar Bergseespiegelfotos, die ihr genauso gerne mögt wie ich. Unfassbar schön - da lohnen sich die 50 Franken Bergbahnkosten.


Zum Jungfrauenjoch kostet es nochmals zusätzlich 102 Franken (in der Hauptsaision sogar 150 Franken). Ja, ich habe überlegt, ob es mir das wirklich Wert ist, aber ohne es auszuprobieren, wird man es nicht wissen. Und ich liebe die Berge und Aussicht und so stieg meine Vorfreude genau so sehr wie mein Kontostand sank. Das Panorama ist wirklich einmalig: auf der einen Seite der Blick ins Mittelland bis zu den Vogesen, auf der anderen der Aletschgletscher, gesäumt von Viertausendern. Die Schneemassen und der Blick in die Ferne sind gigantisch. Auch den Eispalast, der im Ticketpreis inbegriffen ist, sollte man mitnehmen. Ich bin zumindest noch nie durch einen eisigen Tunnel gelaufen und weiß nun, man sollte den Rucksack nicht zu lange auf den Boden stellen, während man die Kamera auspackt (welch Überraschung, dass Dinge am Eis festfrieren können ;-)). Im Lindt Shop (willkommen Tourismus auf 3454 Metern Höhe) habe ich auf jeden Fall beschlossen nun täglich eine andere Sorte Schokolade zu probieren, es wäre ja reinste Verschwendung das hier in der Schweiz nicht auszukosten!

Ob sich der Trip zum Jungfrauenjoch gelohnt hat? Ich bereue ihn nicht, meine klare Empfehlung ist jedoch die "halbe Höhe" Kleine Scheidegg, da der Ausflug hier nicht ganz so teuer und auch wunderschön ist. Aber schaut gerne in die Fotos und entscheidet selbst.


Am Abend wartete noch ein besonderes Erlebnis auf mich. Nachdem ich gut drei Wochen fast ohne Kontakte unterwegs war, hatte ich mich so sehr danach gesehnt mal wieder ein paar Stunden unter (wenigen) Menschen zu verbringen. Da kam mir ein Aufruf gerade recht und ich sagte einem Abend mit Einheimischen zum Käsefondue spontan zu. Christian wohnt in der Nähe von Lauterbrunnen, er kommt ursprünglich aus Belgien und ist durch eine Reise irgendwann in der Schweiz gelandet. Genau wie Kristina aus Slowenien und Lewis aus England. Der Abend verging wie im Fluge und es fühlte sich an, als würden wir uns schon ewig kennen. Der Austausch über das Reisen, über das "Ankommen", über den Bezug zu "Heimat" und die verschiedenen Kulturen war Balsam für die Seele. Gepaart mit leckerem Käse und ein paar Tipps wie man das Fondue richtig zubereitet war es ein rundum perfekter Abend. Was ich auf jeden Fall gelernt habe, man trinkt Tee oder Wein zum Fondue, da Wasser klumpen soll (wir haben Wein gewählt und mit ein paar Gläsern Schnaps ergänzt um auf Nummer Sicher zu gehen ;-)). Die Schweizer genießen das Fondue mit Brot oder Birnen und Äpfel, auch hier haben mir die Drei empfohlen letzteres zu probieren, da es "schneller und gesünder sättigt". Lustig, dass wir beim Verzehr von gefühlt 5000 Kalorien über "gesund" sprechen. Es war auf jeden Fall ein wunderschöner Abend und im Gegensatz zu den anderen Drei stand ich am nächsten Morgen Topfit auf dem Berg! (Soviel zum Thema deutsche Trinkfestigkeit - ich weiß Mädels, wer hätte gedacht, dass ich das schreibe - es muss am Käse liegen!)

Christians heimischer Käsefondueabend und seine Airbnb Unterkunft werde ich ebenfalls in dem Post zu den Unterkünften integrieren und empfehlen!


Am nächsten Tag ging es für mich zunächst zum Blausee. Der Blausee liegt in der Berner Oberländer Gemeinde Kandergrund auf einer Höhe von 887 Metern über Meer. Der tiefblaue Bergsee ist einer der bekanntesten Bergseen der Schweiz und dient als Angelgebiet, Tauchspot oder Ausflugsziel zum wandern. Der See ist eingebettet in einem mystisch geschützten Waldgebiet und obwohl er so klein ist, hat er eine Tiefe von mehr als 12 Metern. In der Regel ist der See sehr überlaufen, aber welch Wunder, ihr ahnt es schon: ich hatte ihn fast für mich alleine.

Anschließend ging es für mich nach Bern, denn dort wollte ich heute endlich meine liebe Kollegin Nina besuchen. Ich stand schon seit ein paar Wochen mit Nina in Kontakt und so steuerte ich die Schweizer Niederlassung der Heidelberger Druckmaschinen AG an. Aufgrund von Corona waren die Büros natürlich nicht mehr so besetzt, aber dennoch war es schön zu einigen Namen Gesichter zu sehen und die Räumlichkeiten zu besuchen. Ich weiß, dass ich in einem internationalen Unternehmen arbeite, aber erst seit ich bei meiner Reise erstmalig andere Standorte kennenlernen durfte, fühlt es sich auch so an. Ich schätze die virtuelle Zusammenarbeit mit den Kollegen weltweit sehr, aber nichts geht über persönliche Gespräche! Und so freute ich mich umso mehr am Abend mit Nina und ihrem Freund noch zusammen Essen zu gehen. Stundenlang haben wir über die Schweiz, das Wandern, das Reisen und Leben gesprochen. Und wieder ein Abend, den ich nicht missen möchte. Denn dieser und auch der zuvor hat mir gezeigt, welch weitere wunderbare Seite das Reisen hat: die Menschen!

So beschlossen Nina, Daniel und ich nach diesem Abend die Gespräche bei einer gemeinsamen Wanderung wenige Tage später fortzusetzen.


Bern habe ich übrigens auch für ein paar Stunden besucht, ihr werdet es auf den Bildern sicher erkennen. Das Wetter war an diesem Tag ausnahmsweise verregnet, aber das war für mich nebensächlich. Denn Bern hat sich auch so von seiner schönen Seite gezeigt. Bern ist nicht nur Bundesstadt, Shoppingstadt, Genussstadt, Kulturstadt – Bern ist vielfältig und einzigartig. Und ich komme sicher wieder - wie versprochen Nina! Und dann vielleicht bei Sonnenschein.


Am nächsten Morgen hatte ich vor die Eltern eines ehemaligen Künstlers und heutigen Freundes zu besuchen, doch Barbara schrieb am morgen, dass die Aussicht auf dem Hasliberg leider sehr vernebelt sei und es schade um die schönen Motive bei Sonnenschein wäre. Just in dem Moment als wir beschlossen hatten, dass wir uns am Mittag nochmal zusammen schreiben, schickte mir Nina eine Nachricht. "Gehe heute in die Berge, ich habe einen Tipp, du wirst ein Nebelmeer sehen, mach das, es ist der Wahnsinn, Kamera einpacken und los geht`s" - und so sollte es sein. In Windeseile hatte ich alles zusammen gepackt und machte mich auf dem Weg zum Niederhorn. Lustiger Zufall übrigens, dass mein Airbnb Zimmer auch "Niederhorn" heißt - oder Schicksal, wie es Line wieder einläuten würde, denn noch wusste ich nicht, dass dieser Ort genauso "Heimisch" sein würde.


So startete ich im Tal bei Nebel und kaum mehr Sichtweitweite als zwei Metern. Ich konnte mir noch nicht ganz vorstellen, ob der Plan aufgeht - aber ich hatte natürlich Vertrauen, dass meine neugewonnenen Lieblingsschweizer Nina und Daniel den richtigen Riecher haben würden. Und so sollte es sein - in der Gondel wurde das grau der Aussicht immer heller und plötzlich kämpfte sich der blaue Himmel durch die Nebelwand. Unfassbar, wenige Sekunden später schwebte man über dem Meer aus Wolken und Nebel. Es ist kaum in Worte zu fassen, aber dieser Moment war definitiv der schönste meiner bisherigen Reise. Das Gefühl von Freiheit, das Gefühl von Glück und Dankbarkeit - das Gefühl von 100 % alles richtig gemacht. Oben angekommen hieß es einfach nur genießen und begreifen. Die bisherige Reise reflektieren, vor allem die letzten Tage, die schönen Gespräche und meine Gedanken waren auch bei all den Menschen, die mich bei dieser Reise von Beginn an begleitet haben. Ich habe diesen Moment nicht alleine verbracht, sondern in Gedanken mit all diesen Herzmenschen. Was ein ergreifender Moment, Danke liebe Schweiz bzw. Danke liebe Nina und lieber Daniel, dass ich das hier erleben durfte.


Nachdem ich eine kleine Wanderung über den Wolken machte und nochmal für ein paar Minuten auf der Bank Platz nahm, beobachtete ich noch eine Gruppe von Senioren, die ausgelassen lachten und gemeinsam ihre Wanderung mit einem Glas Schnaps beendeten. Einer sagte "Ach ist das Leben schön, man muss es nur sehen, schmecken und annehmen - wir haben doch alles richtig gemacht". Und ja, innerlich prostete ich ihnen zu, genau so ist es!


Auf dem Weg zurück ins Tal tauschte ich mich nochmals mit Barbara aus und entschied den Hasliberg anzusteuern, denn vom Wetter lasse ich mir doch keine Vorschriften mehr machen. So freute ich mich ein paar Einblicke in das Leben auf dem Bauernhof zu bekommen. Christian, Mitglied der Band voXXclub, bot mir spontan an seine Eltern zu besuchen, als er mitbekam, dass ich in seiner Heimat bin. Ich arbeitete mit ihm und den Jungs vier Jahre sehr eng zusammen und so freue ich mich nach wie vor sie immer wieder zu sprechen oder sehen, auch wenn ich nicht mehr in der Musikbranche arbeite - wie zuletzt der Besuch bei Flo in Hamburg. Chris selbst wohnt in Wien und da ich hier ja leider nicht Halt machen konnte (wie gerne hätte ich auch all meine lieben Wiener besucht) nahm ich dankend das Angebot an, seine Eltern zu besuchen. Ich selbst bin kein Kind des Bauernhofurlaubs - meine Eltern bzw. hauptsächlich Papa hatte eine andere Vorstellung von Urlaub (die ja auch schön war ;-)). Umso mehr freute ich mich nun auf seine Eltern und den Hof. Barbara wartete an der Straße um mir den Parkplatz (Premiere, kostenfrei - auf dem Hof :)) zu zeigen und begrüßte mich herzlich.

Und hier muss ich gleich mal mit Vorurteilen gegenüber Schweizern aufräumen. Ich habe schon mehrfach gehört die Schweizer wären sehr kühl und verhalten. Sicher nicht! Egal ob beim Wandern, Einkaufen oder wie hier beim Besuch - sie sprühen vor Herzlichkeit und bieten schon Hilfe an bevor man darum bittet! Und das auch mit 1.5 Metern Abstand.

Es war spannend zu sehen, wo Christian also aufgewachsen ist und auch wenn du lieber Christian nicht dabei warst, warst du es irgendwie doch - egal ob in den Erzählungen oder wenn ich deine Eltern angesehen habe. Wie du richtig sagtest, es ist schön dass du mir ein Teil von dir zeigen konntest ohne physisch anwesend zu sein.


Barbara betreibt einen kleinen Hofladen und gemeinsam mit ihrem Mann Heinz bewirtschaften sie den Hof mit den Kühen komplett alleine. Eine wahnsinnig große Aufgabe. Sie nahmen mich mit, wie sie die Kühle von der Weide holten (die kurzerhand einen kleinen Umweg quer durch den Nachbarsgarten machten :-)) und erklärten mir wie sie den Käse herstellen. Die Art und Weise der Aufbewahrung ist entscheidend für den Geschmack und die Herstellung ist aufwendig, aber der Vertrieb dessen auch, denn der wartet nach der Sommersaison. Hier funktioniert noch viel über Vertrauen, so gibt es auf dem Hof Zugang zu Lebensmitteln und eine Sparbüchse steht bereit in die einbezahlt wird - etwas was man in der Stadt nicht kennt. Ich wusste nicht, dass die höher gebauten Hütten auf der Alm nicht aufgrund des Schnees, sondern aufgrund von Mäusen auf den Stehlen stehen, denn hier wird der Käse im Sommer gelagert. Ich wusste auch nicht, dass die Kälber im Sommer mit anderen Kälbern weiterer Bauern zusammen stehen, gentrennt von ihrer Herde. Und genauso wenig wusste ich wie verteilt und wie groß die Weidelandschaften der Bauern sind. Ich durfte als "Stadtkind" so viel spannendes lernen, konnte kaum glauben wie schnell die Kälber wachsen (hatte fälschlicherweise ein paar Monate älteres Kalb als Mutter des Kleinen eingeschätzt) und bin fasziniert von der Leidenschaft und dem Herzblut von Barbara und Heinz. Im Winter bewirtschaften sie oben auf dem Berg eine Hütte zum Einkehren. Ihr Hof also ein Fulltime Job 7 Tage die Woche, das ganze Jahr über. Und trotzdem nahmen sie sich die Zeit mit mir den Hof anzuschauen und fuhren mit mir sogar rauf auf den Berg um mir ihre Aussicht auf das Nebelmeer zum Sonnenuntergang zu zeigen. Wie wunderschön: Christian du hattest Recht: der Hasliberg ist wirklich faszinierend. Und auch hier freue ich mich sehr eines Tages wieder zu kommen, ich habe versprochen kräftig mit anzupacken und Heinz plant schon eine sehr abenteuerliche Wanderung mit mir (die er schon mit einigen Freunden von Christian absolviert hat) - Barbara warnte mich bereits vor - ich denke die Machbarkeit können wir noch ausdiskutieren :) Sicher ist, wir haben nicht "Tschüss" sondern "Auf Wiedersehen" gesagt - und ich möchte mich nochmals bei Euch von ganzem Herzen für die schöne Zeit bedanken und Eure Einladung Euch nochmals zu besuchen!


Freitags wartete ein weiteres Schweizer Abenteuer: Die Wanderung mit Nina und Daniel. Gut, dass sie mir erst im Auto erklärte, dass diese Wanderung eine der ersten ihrer Beziehung mit Daniel war und sie ihn am liebsten über den Berg gejagt hätte. "Super Nina, ich bin mir nicht sicher ob wir nach heute zukünftig noch kollegial bei HDU zusammen arbeiten werden, wenn ich das höre", ahnte ich herausfordernde Zeiten ;-) Und ja, rückblickend gesehen, war das definitiv eine Wanderung, die ich alleine nie gemacht hätte! Es ging von der Lombachalp zum Augstmatthorn. Versprochen wurde mir ein unfassbar schöner Ausblick und mit etwas Glück auch ein paar Steinböcke. Dass wir tatsächlich um die 30 Steinböcke aus nächster Nähe sehen würden, hatten wir nicht erwartet und freute besonders Nina, die gar nicht genug von den Tierchen bekommen konnte :-) Die Wanderung selbst sind ca. 10 km und 725 Höhenmeter rauf sowie 980 Höhenmeter bergab. Das knifflige waren die Zustände der Wege, die durch die Herbstzeit ganz und gar nicht trittsicher waren. Es war eine ziemliche Schlittenpartie (trotz Wanderstöcken und Wanderschuhen), aber keinen von uns hat es in den Matsch hingelegt - unser größter Erfolg des Tages ;-) Und so erwiesen sich Daniel und Nina als perfekte Bergführer - wobei Daniel uns zwei Mädels hin- und wieder etwas Mut zusprechen musste. Dank den Beiden (und der App Peakfinder - zu empfehlen) wusste ich immer welcher Gipfel zu welchem Berg gehört. Und während bei Ankunft wieder ein Wolkenmeer auf uns wartete, zogen diese während der Wanderung auf und wir konnten den Blick auf den Brienzersee genießen. Der Brienzergrat war einmalig, der Weg darüber definitv mit ordentlich Adrenalin verbunden und in diesem Moment beschloss ich für mich, dass meine Höhenangst nicht so schlimm sein kann! Denn rechts und links ging es in die Tiefe, sehr tief - ich will nicht wissen, wie tief! Aber wir haben alles gemeistert, es hat etwas länger gedauert als geplant, was uns aber einen schönen Sonnenuntergang in den Bergen bescherte - und trotzdem sind wir gerade pünktlich kurz vor Dunkelheit am Auto angekommen. Alles in allem also mal wieder perfekt. Danke für die tolle Zeit mit Euch, für Eure vielen Tipps, für Eure Unterstützung, Offenheit, das gemeinsame Lachen und die Gastfreundschaft. Ich freue mich, wenn wir uns wieder sehen - und ich Euch Heidelberg zeigen darf. Ihr habt den Aufenthalt hier wirklich besonders gemacht! Ach und Nina, ich denke die Wanderung hat unserer Zusammenarbeit bei HDU doch nicht geschadet, kein Campaign Target wird mehr herausfordernder sein als diese gemeisterte Etappe!


Und nun ein Break - meine letztes wunderschönes Wochenende in der Schweiz mit Alisa und meine letzten Tage bis Mittwoch werde ich Euch in den nächsten Beitrag packen, zusammen mit der nächsten Destination!

Mittlerweile ist der Waschgang und Trockner nämlich auch fertig und ich möchte nochmal eine Runde am Thuner See laufen - und dann muss ich langsam mal packen! Ich freue mich so riesig, dass es weiter gehen kann und ich sage Euch, das war kein leichtes Unterfangen. Wo es hin geht, dass erfahrt ihr dann die kommenden Tage - so ein bisschen Spannungsaufbau muss doch drin sein. Drückt mir die Daumen, dass alles klappt!


Nun möchte ich noch die Schätz-Frage der letzten Woche zu meinem bisher zurückgelegtem KM Stand auflösen. Vorschläge von 1.200 bis 6.500 km gingen ein: es sind 5.120 km, die mein Tacho bisher gezählt hat. 5120 km voller Abenteuer, voller Freude, Respekt, Vertrauen, Glück und Zuversicht. Voller Neugier, Überraschungen und Dankbarkeit - und so packe ich alle Erfahrungen und Erinnerungen aus Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz in meinen "Rucksack" und freue mich auf alles was noch kommt!


@Lara (Schneider): Meine Liebe du lagst mit der Schätzung 5000 km fast richtig und darfst dir ein Lieblingsbild von meinen Reisefotos auswählen, die Überraschung kommt per Post <3


Passt weiter auf Euch auf und fühlt Euch gedrückt,


Eure Laura






































































































































































































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