Day 50 - 57 / La isla bonita - wie wahr!

Hallo meine Lieben,


wie im letzten Blogbeitrag angekündigt schreibe ich Euch heute von la isla bonita - La Palma!

Und nein, ich bin nicht in Las Palmas, auch nicht in Palma de Mallorca, sondern La Palma. Aber ich verstehe Euch schon, ehrlich gesagt wusste ich auch bis vor ein paar Jahren wenig bis nichts von diesem schönen Fleckchen Erde. Und sollte es Euch genauso gehen, will ich nun etwas Licht ins Dunkle für Euch bringen. English Text here


Aber zuvor: Da ich es vergangene Woche unterschlagen habe und es wohl schmerzlich vermisst wurde (danke für den kind reminder, zu viel Erholung auf Fuerteventura ;-) ) starten wir wieder mit den Learnings der Woche:


- Der Hinweis, dass Propellermaschinen sehr viel sicherer sind als normale Flugzeuge wird zukünftig teuer für mich - ist es möglich mit einer Propellermaschinen nach Australien zu fliegen?


- PIN Demenz kann ansteckend sein und die Nerven strapazieren. Je unruhiger die Touris werden, desto tiefenentspannter reagieren hier die Einheimischen. Wenn ein Pärchen seinen Mietwagen allerdings dringend heute braucht, sorgt die "mañana" Mentalität nicht immer für Entspannung.


- La Palma erinnert mich an Berlin und nein damit meine ich nicht die oben erwähnte "mañana" Mentalität beim Bau des Berliner Flughafens.


- Tomaten wachsen doch an Bäumen!


- Nordlichter sind ganz und gar nicht kühl: ich habe hier die wärmste Begegnung erlebt und lerne jetzt Segelkunde!


- Kein Geld der Welt ändert etwas an Dingen die du liebst und gerne machst - wenn du sie gefunden hast, kannst du dich glücklich schätzen!


- Glühwein und Punsch schmecken auch bei 20 Grad - wir sind anpassungsfähig. Der Weihnachtsmann scheinbar nicht, der auch bei über 20 Grad in sein dickes Kostüm eingepackt war- der hatte wohl keine Lust auf einen heißen Punsch.


- Nie die Hoffnung verlieren: als ich schon dachte ich würde nur spuckende Passagiere auf dem Bootstrip sehen, spuckten ein paar Delfine Wasserfontänen aus dem Meer und der Trip war gerettet- Danke Flipper.


- Amateur ist im spanischen nicht amador - manchmal ja, aber in meinem Fall Nein, wie mich die Spanischlehrerin aufklärte - Danke!


- manchmal muss man lernen, Dinge anzunehmen - im Nachhinein ist man mehr als dankbar <3


La Palma ist flächenmäßig ungefähr so groß wie Hamburg - 47 km x 29 km! Und auch wenn ich Hamburg wirklich sehr liebe (Grüße an meine lieben Hamburger Lena, Bernd, Mia, Doro und Flo in diesem Zuge, die auch alle fleißig mitlesen) muss ich leider zugeben, dass La Palma Hamburg hier nicht nur beim Wetter toppt. Die Insel erhebt sich vom Meeresboden in etwa 4.000 Metern Tiefe auf fast 6.500 Meter. Und auch wenn es die drittkleinste Insel der Kanaren ist, ist es zu Recht die "La isla bonita" - denn La Palma, so sagt man, ist die schönste von allen kanarischen Inseln.


Und das galt es nun zu entdecken! Ich freute mich riesig auf die Insel, denn nicht nur die liebe Sonja schwärmte von ihrer zweiten Heimat, auch in Fuerteventura fand ich viele Fans des kleinen Paradieses. Am Abend meiner Ankunft konnte ich noch nicht viel von der Insel sehen, denn es war bereits dunkel. Umso schöner, dass Sonja einen Bekannten bat mich vom Flughafen abzuholen, der nicht nur Geduld am Flughafen bewies (da fünf Urlauber vor mir ebenfalls ihren Mietwagen abholen wollten und vier hiervon den PIN ihrer Kreditkarte vergaßen) sondern mich auch sicher zum Haus auf der Insel brachte. Leider übrigens ohne mein Stativ, das ging auf dem Flugweg verloren und ist bis heute nicht aufgefunden worden - aber gut, besser das Stativ als mein Gepäck!

Frank gab mir abends direkt ein paar hilfreiche Tipps und faszinierte mich mit seinem Bezug zur Insel. Während er eigentlich vor vielen Jahren nach einem tragischen Unfall die Welt mit dem Rad erkunden wollte und La Palma als Trainingsstopp vorab visierte, fesselte ihn diese Insel so sehr, dass er sein Training sozusagen ausdehnte und einfach für immer blieb. "Hier habe ich das Paradies gefunden und alles was ich gesucht hatte", so Frank, der nie zu seiner Weltreise aufbrach. Und da ist er nicht der einzige wie ich in den letzten Tagen erfahren habe. Hier leben einige Deutsche, die als Urlauber kamen und als Einwohner blieben.


Frank hat hier seinen Lebenstraum erfüllt und ein Grundstück gekauft auf dem er sämtliche Pflanzen und eine Vielfalt von Obst und Gemüse anbaut, die es ihm ermöglichen, dass er sich selbst versorgen kann. Einige Tage später besuchte ich ihn dort und er zeigte mir die verschiedensten Sorten von Aloe Vera, wie er upcycling nutzt und aus alten Waschbecken Blumenbeete pflanzt, neue Pflanzenarten wie Kartoffeln die über der Erde wachsen und alles was das Herz begehrt von Avocado Bäumen über Ananas, Mandarinen, Granatapfel, Süßkartoffel, Spinat, Paprika u.v.m. Da es in La Palma wesentlich weniger regnet als in Deutschland, der Boden dementsprechend trocken ist, könnt ihr Euch ja vorstellen wie viel Arbeit in so einem grünen Garten steckt, in dem auch Grasboden wächst. Frank hat regelmäßig interessierte Menschen bei sich, die über Wwoofing bei ihm mithelfen. Was das ist habe ich auch erst vor ein paar Wochen erfahren: WWOOf steht für Worldwide Opportunities on Organic Farms und ist eine Plattform die von der Idee getragen wird, Menschen zusammenzubringen, die einen naturverbundenen Lebensstil auf dem Land führen – oder aktiv kennenlernen wollen. So lernte ich zum Beispiel Ed und Laura kennen, die für einige Wochen bei Frank im Garten mithalfen und im Gegenzug bei ihm schlafen und wohnen konnten. An ihrem freien Tag machten sie mit Frank eine Wanderung zu der er mich ebenfalls einlud, direkt am Tag meiner Ankunft. Ich war also auch hier von Beginn an vernetzt und bestens integriert. La Palma hat mir das Ankommen sehr leicht gemacht! Vielen Dank an dich Frank für deine Unterstützung :)


So freute ich mich am nächsten Tag bei Tageslicht die Insel mit Frank und Laura zu erkunden. Laura ist 25 Jahre und kommt aus Madrid, nutzt aktuell die Zeit um verschiedene Projekte zu besuchen und unterstützen und verschiedene Erfahrungen zu sammeln, bevor sie ihren Freund in Dänemark besuchen wird. Auch wenn Laura der Meinung war, dass ihr Englisch nicht gut sei, war ich beeindruckt, denn ich weiß den Spaniern fallen neue Sprachen sehr schwer (Paul ich musste an dich denken, vielleicht liegt es am Namen, dass Lauras mit ihren Englischkenntnissen nicht zufrieden sind ;-)). Und da meine Spanischkenntnisse in den zehn Jahren leider sehr eingerostet sind, konnten wir uns so gut auf Englisch verständigen. Frank entschied sich für den Cubo de la Galga Hike.


Die Wanderung zeigte mir die grüne Oase der Insel - den Lorbeerwurwald Barranco de La Galga. Von Frank lernten wir natürlich alles über die Pflanzen dort, probierten Wildkräuter und wurden bestens mit seinen selbstgemachten Mangochips und Mangosmoothies versorgt (so lässt es sich leben ;-)). Da lernt man außerdem ursprünglich, dass Tomaten am Strauch wachsen und findet hier den Tomatenbaum - La Palma lässt mich als Stadtkind immer wieder staunen.


Interessant fand ich auch die Geschichte zum Karneval auf La Palma, der Rosenmontag wird hier nämlich ganz besonders gefeiert. An diesem Tag wird der Wiederkehr der hauptsächlich nach Kuba emigrierten Inselbewohner (die hier “Indianos” genannt werden) gedacht.

Einheimische und Eingeweihte erscheinen in weißer Kostümierung, diese besteht aus einem Leinenanzug für Männer und einem Leinenkleid für Frauen und dazu einen “Panama-Hut”.

Früher sollen die reichen Rückkehrer mit Mehl überschüttet worden sein, beim Karneval nutzt man Babypuder oder Talkum. Innerhalb kürzester Zeit sind alle Feiernden sowie die Straßenzüge Calle O’Daly und Pérez de Brito sowie angrenzende Straßen und Gassen in Santa Cruz mit einem weißen Schleier überzogen. Die Straßenreinigung muss später tagelang ackern, um den Urzustand wieder herzustellen. Die Stadt feiert zu karibischer Musik, es liegt der Geruch von Havanna-Zigarren in der Luft und zwischen dem weißen Schleier der Stadt lassen sich Kostüme von Sklaven, Matrosen und große Papageienkäfige finden. Also La Palma ich komme sicher wieder - und ich denke Karneval wäre eine gute Option :)


Nach der Wanderung ging es zu "Los Tilos", einem beeindruckenden Wasserfall im Nordosten der Insel im Naturpark Las Nieves - ein wirkliches Paradies! Im saftigen grün eingebettet sucht sich das Wasser von den Felsen seinen Weg ins Tal. Da es dieser Tage nicht so viel geregnet hatte, war der Wasserfall nicht so massiv, aber verlor keineswegs an Zauber. Seht selbst auf den Fotos.


Mein Highlight des Tages war der anschließende Abstecher zum nahegelegenen Strand Playa Nogales. Der Strand liegt am Fuße der Steilklippen und ist erst nach einem Abstieg von ca. 20 Minuten über einige Stufen erkennbar und erreichbar. Auf halber Strecke kommt man an der "Cueva Playa Nogales" einer Höhle mit einem unterirdischen "See" vorbei. Diese Höhle hat sogar einen Ausgang in das offene Meer. Ohne Taschenlampe sieht man allerdings leider nichts ;-)

Der Strand ist so beeindruckend und einer der schönsten, den ich je gesehen habe.

Für mich war es ohnehin der erste Strand mit schwarzem Sand. Und der Kontrast zum türkisenen Meer und den roten Klippen, die mit saftig grünen Pflanzen bewachsen sind sieht einfach gigantisch aus. Zum baden eignet sich der Strand eher weniger, denn er hat eine recht heftige Brandung und Strömung. Ein einsamer Surfer kämpfte bitterlich gegen die Kraft der Wellen, was freute ich mich mit ihm, als er endlich eine Welle erwischt hat und der Take Off geklappt hat (und in Gedanken bin ich wieder wie in Fuerte mitgesurft :-))


Am nächsten Tag beschloss ich die Insel ein wenig mit dem Auto zu erkunden und mir einen Überblick zu verschaffen. Ich steuerte Richtung Roque de los Muchachos. Mit seinen 2426 Metern ist es der höchste Punkt der Insel und ermöglicht einen außergewöhnlichen Ausblick über die gesamte Insel La Palma und den Nationalpark Caldera de Taburiente. Der gesamte Norden der Insel La Palma wurde durch verschiedene Vulkane gebildet, die im Laufe der Jahrtausende übereinander geschichtet einen riesigen Vulkankegel bildeten. Später bildete sich durch Einsturz und Erosion der riesige Kessel des heutigen Nationalparks mit einem Durchmesser von 9 km. Die Caldera de Taburiente gehört zu den größten Erosionskratern der Erde.


Was eine bizarre Landschaft - so fühlte es sich an als würde mit jeder Kurve eine neue Facette der Insel sichtbar werden. Und irgendwie erinnerte mich La Palma plötzlich an Berlin. Nein, ich habe keinen Sonnenstich und weiß, dass man im ersten Moment sicher keinerlei Gemeinsamkeiten findet. Aber Berlin ist für mich eine Stadt die so vielfältig ist, dass sie nicht gleich greifbar ist - in keine Schublade passt. Und so ist es mit La Palma auch, es braucht seine Zeit bis du ein Gefühl für diesen magischen Ort hier hast. Und ich freute mich auf jede Kurve, die wieder Neues mit sich brachte.


Bevor man zum Gipfel gelangt fährt man am astrophysikalischen Observatorium Roque de los Muchachos (ORM) vorbei. Mir ist zwar auch der wunderschöne und hell leuchtende Sternenhimmel aufgefallen, ich wusste jedoch nicht, dass La Palma so bedeutend für die Astrologie ist. Aufgrund des besonderen Klimas und der geringen Lichtverschmutzung gilt der Ort als einer der besten der Welt für den Blick auf die Sterne. Hier forschen mehr als 20 Länder und es gibt besondere Teleskope. Ich habe für nächste Woche eine nächtliche Astrotour gebucht und bin gespannt mehr dazu zu erfahren (jaja ich weiß schon "Lauras Stern" - so musste es doch kommen ;-))


Den schönsten Zufall bei diesem Ausflug bescherte mir meine Liebe zum Norden Deutschlands, denn bei der Wanderung vernahm ich auf einmal bei zwei Pärchen neben mir den deutschen nordischen Dialekt, ich tippte auf Hamburg. Als wir ins Gespräch kamen stellte sich heraus dass Felix, Dörte, Ove und Barbara tatsächlich aus dem Norden kommen und ebenfalls auf Sabbatical bzw. Europareise sind - allerdings mit dem Segelboot. Wie spannend - sie berichteten von ihrer Fahrt von Madeira und dem Leben an Bord und luden mich spontan ein sie in Tazacorte zu besuchen. Wow liebes Leben, danke für diese wunderbare Begegnung, denn heute kann ich rückblickend sagen, hier habe ich ganz besondere Menschen kennen gelernt! Wir tauschten unsere Blogseiten aus und so vereinbarte ich für wenige Tage später den Besuch bei ihnen.


Doch dieser Tag endete zunächst mit einem schönen Abschlussessen mit Laura und Ed (den Helfern von Frank) in Santa Cruz, denn die beiden reisten leider am nächsten Tag ab und wollten gerne ihren letzten Abend mit mir gemeinsam verbringen. Wahnsinn wie schnell ich in La Palma "angekommen" war. Für mich war es auch die erste Begegnung mit Santa Cruz, diesem süßen Städtchen. Ich war noch nie in Kuba, aber genau so stelle ich es mir vor! Meine Illusion wurde zwar etwas genommen, als Laura mit einer Verkäuferin in einem Laden das Gespräch begann, denn die Verkäuferin kam aus Kuba und teilte uns mit, dass ihre Heimat wirklich wenig mit Santa Cruz gemeinsam hätte. Aber gut, ich bin mir sicher so ein bisschen kubanisches Flair bei all den Kubanern hier ist nicht von der Hand zu weisen. Oder was meint ihr, wenn ihr die Fotos seht?


Das ist übrigens auch so etwas, was ich hier liebe - die Spanier sind so offen und herzlichen, hilfsbereit und wenn man erstmal ins Gespräch verwickelt wird, dann gibt es kein Halten mehr. So wollte Laura eigentlich nur kurz ein Souvenir kaufen und wir endeten in ca. 20 Minuten Smalltalk mit der Dame des Ladens die uns über Kuba, ihre Familie, das Leben in La Palma und die Zeiten von Corona berichtete. "Ich wollte niemals wieder mein Leben hier gegen das auf dem spanischen Festland eintauschen, hier wird noch gelebt, hier reicht ein Job um mein Leben zu finanzieren und die Zeit hat eine andere Bedeutung", so die Dame. Der Laden hält sich schon seit über 20 Jahren, was mich beim Sortiment doch wunderte und gleichzeitig Beweis genug war, dass die Wirtschaft hier auf der Insel einfach noch sehr stabil ist und funktioniert - es gibt wenig Industrie, noch viele kleine historische Läden und eine treue Kundschaft.


Am Abend aßen Ed, Laura und ich Paella. Es war wohl die schlechteste, die wir je gegessen haben, aber in bester Gesellschaft - und das war viel mehr Wert! Ed kommt aus England und wir konnten uns gut über UK austauschen, da ich ja auch ein Jahr in Windsor gelebt hatte (viele Grüße in diesem Zuge an meine AuPair Kids Eloise, Josie sowie Tanya, Carina und Amanda, die auch fleißig mitlesen). Ed zieht nun weiter nach Teneriffa und hilft dort einer Frau bei ihrer Farm mit ihren Tieren, einige Esel soll sie auch haben. Ed liebt das freie Leben und die Welt zu entdecken, freut sich aber Weihnachten wieder bei seinen Kindern in Cambridge zu sein. Auf die Frage von Laura, wie wir unser Leben gestalten würden, wenn wir endlos viel Geld hätten, sagte Ed, er bräuchte nicht mehr als jetzt. Alles andere würde er in Projekte investieren, die Hilfsbedürftigen Hilfe zur Selbsthilfe ermöglicht. Und auch Laura und ich hatten ähnliche Ansichten. "Und was ist mit deinem Job?" fragte mich Laura. "Ich würde weiter arbeiten wollen, denn das was ich mache, tue ich gerne", antwortete ich und stellte fest wie dankbar ich in diesem Moment war, Tätigkeiten gefunden zu haben, die für mich nicht als "Pficht zum Lebensunterhalt" verbucht werden. Und das Reisen, das würde mit allem Geld der Welt auch nie zu kurz kommen, denn Gespräche wie diese und Momente wie diese sind so viel mehr Wert als jedes Geld der Welt (aber ja, mit Geld ist Reisen natürlich einfacher ;-))


Nicht verwunderlich, dass Laura fast eine Diskussion mit dem Kellner begann, der ihr nach der Vorspeise ein neues Besteck bringen wollte. "Wieso", fragte sie. "Weil wir das hier so machen", sagte der Kellner. "Ja, dann machen wir das jetzt anders, ich möchte es nochmal benutzen und es spart Euch auch Geld und tut der Umwelt gut", konterte sie. Ja, wie Recht sie hat, es sind die kleinen Dinge die manchmal Großes ausmachen!


Lieber Ed, Liebe Laura, danke für diesen so wunderbaren Abend mit Euch und die Einladung Euch jederzeit besuchen zu können. Laura, wir haben ja schon einen Plan für nächstes Jahr, ich kann es kaum erwarten dich in Madrid zu besuchen und dann ebenfalls einen Abstecher zu meiner ehemaligen lieben Kollegin Montse in Barcelona zu machen (versprochen ist versprochen :-)), denn auf dieser Reise hat es leider nicht geklappt.


Am Tag darauf wollte ich gerne die Einladung meiner vier neuen Segelfreunde wahrnehmen und machte mich auf Richtung Tazacorte.

Zuvor machte ich einen Abstecher nach Los Llanos, dort hatte ich zwei Spanischstunden gebucht, denn ich wollte gerne mein Spanisch etwas auffrischen. Eva, Spanierin, die mit einem Deutschen zusammen lebt, empfing mich herzlich und wir sprachen über meine Reise und verschiedene Themen um wieder etwas mehr Routine im sprechen zu bekommen und wiederholten einige Besonderheiten im Spanisch - nun gilt es für mich wieder Vokabeln zu pauken und dann möchte ich Eva wieder besuchen. Die Sprache ist oft der Schlüssel zur Kommunikation und die Spanier machen es einem hier wirklich leicht mit wenigen Kenntnissen und mit Händen und Füßen zu kommunizieren und sind sehr geduldig. Und so freue ich mich jeden Tag ein bisschen was für mein Spanisch zu tun.


Nach dem Unterricht steuerte ich dann also den Hafen an, Ove und Barbara empfingen mich schon an der Einfahrt, aber Bertha lenkte mich in diesem Moment ab und so verpasste ich die Beiden leider (ihrer Beschreibung nach wild winkend- entschuldigt ;-)). Bis auf meine Abschlussfahrt in Klasse 9 auf dem Ijsselmeer war ich noch nie auf einem Segelboot und sehr gespannt wie die Zwei hier wohl lebten. Neben ihrem Segelboot lag das von Dörte und Felix, die noch unterwegs waren. Ich erhielt zunächst eine Führung unter Deck und war begeistert wie hier alles seinen Platz hat und wie viel Stauraum das Boot bietet. "Hier muss natürlich alles seinen Platz haben, wenn wir auf See sind muss alles befestigt sein", so Ove. Auf meine Frage, ob sie schon in heftigen Stürmen unterwegs waren, berichteten sie mir davon, dass die brenzligste Situation nicht dem Wetter sondern einem im Meer treibenden Container geschuldet war. Jährlich verlieren Containerschiffe durch schlechte Sicherung und/ oder Stürme riesige Container, die dann zur Gefahr für andere Boote werden können. So küsste Oves Boot diesen plötzlich auftauchenden Container und zwei Löcher im Wrack sorgten für Nevenkitzel, den man keinem wünscht - glücklicherweise strömte nur wenig Wasser ein, so dass eine Fahrt zum Land weiter möglich war. Der Gedanke, dass sich dies aber jede Sekunde ändern könnte, bereitete mir bei der Vorstellung schon Gänsehaut. Ansonsten sind Ove und Barbara ein prima Team, während Barbara eher etwas unruhig wird, wenn Sturmfronten aufziehen ist Ove die Ruhe selbst. Ein ganz phantastisches Paar, dass mich die letzten Tage sehr berührt hat. Barbara arbeitet als Lehrerein in einer psychiatrischen Klinik, hat auch viel mit Kindern von der Onkologie zu tun und nimmt aktuell ein Sabbatical. "Ich liebe meinen Job, aber ich brauche diese Reisen um wieder Energie zu tanken", erzählte sie - und dies ist absolut nachvollziehbar. Ove ist im Ruhestand und entdeckte, wie er selbst sagte, die letzten Jahre vor seinem Ruhestand sein perfektes Lebensmodell mit weniger Arbeit und mehr Zeit zum Reisen. Er setzte sich bei seiner Arbeit in der Personalabteilung auch dafür ein, dass dieses Modell für die Arbeitnehmer realisiert wird, denn er ist - wie wir alle in der Runde- fest davon überzeugt, dass die Produktivität nicht leidet und alle Beteiligten von diesem Modell profitieren.


Das kann ich nur unterschreiben, die Erfahrungen, die ich hier bei meiner Reise gesammelt habe, hätte ich niemals in meiner gewohnten Umgebung gemacht. Diese werden auch meinen zukünftigen Tätigkeiten zugute kommen und jeder Arbeitgeber wird hiervon auch sicher profitieren. Ich bin sehr dankbar, dass dies vor rund einem Jahr meine Vorgesetzten ebenfalls so gesehen haben - ich weiß aber, dass dies nicht in jedem Unternehmen so wahrgenommen wird. Schade- aber wer weiß wie sich dies in Zukunft entwickelt, wo auch Home Office plötzlich aktuell eine neue Akzeptanz erfährt. Denn es geht viel mehr, als wir manchmal denken!


Jedenfalls machten Ove, Barbara und ich noch einen Spaziergang an der Küste zum Fischerdorf El Puerto. Mal wieder: ein Traum! Das kleine Örtchen am Meer gelegen leuchtet mit seinen bunten Häusern vor den steilen Felsklippen. Ich machte meinem Namen an diesem Tag aller Ehre und der Wind pustete uns ordentlich durch, aber genau so sollte es sein - pures Küstenfeeling. Wir genossen den Abend noch mit einem Glas Wein an der Promenade und schmiedeten schon die Pläne für die nächsten Tage. Danke für Eure Einladung - ich freue mich so sehr, dass sich unsere Wege gekreuzt haben und ihr mir von euren spannenden Geschichten auf See berichtet. Und als hätte die Natur untermalen wollen, was ich an diesem Tag fühlte, zauberte der Himmel einen schönen Regenbogen über den Hafen. Und den Schatz mussten wir gar nicht mehr suchen - denn ich wusste, meiner war definitiv die Begegnung mit der Segeltruppe :)


Übrigens trafen wir auch noch das berühmte Seglerpaar des Schiffs Freydis II - seit einem halben Jahrhundert sind Heide und Erich Wilts gemeinsam auf den sieben Weltmeeren unterwegs und erlebten so manches Abenteuer. Zusammen sind sie zwölf Mal um das Kap Hoorn gefahren, haben in Seemeilen schon zwölf Mal die Erde umrundet, 150 Stürme überstanden, von denen die Taifune in Japan mit Abstand die schlimmsten waren, und als einzige deutsche Segler sieben Monate in der Antarktis überwintert. Und nun sind sie immer noch auf der See unterwegs, wenn sie nicht gerade in Heidelberg wohnen und sich auf ihre nächste Tour vorbereiten! Wie spannend so Abenteurer aus der Heimat hier in La Palma zu treffen!


Ich hatte auch noch ein Date mit der See offen - denn ich wollte ja so gerne einmal Delfine in freier Wildbahn erleben - und so buchte ich für die Tage darauf eine Tour. Man machte mir zuvor wenig Hoffnung Flipper zu sichten, denn die Wellen nahmen wieder ordentlich an Kraft auf. Als wir den Hafen verließen nahm nicht nur die Höhe der Wellen zu sondern auch die Anzahl der Passagiere, die sich als seekrank outeten. Am Ende fühlte ich mich übrigens als "last women standing" - ich weiß heute zumindest, so schnell haut mich nichts um auf See! Wie hoch die Wellen waren? Laut App wohl nur zwei bis drei Meter, aber der freie Fall von der Welle fühlte sich für mich nach deutlich mehr an. Und ja, ganz unglücklich, als wieder Land in Sicht war, war ich nicht!


Aber ich hatte Glück, auf dem Weg zurück Richtung Hafen, als ich mich schon damit abgefunden hatte, dass ich heute auf See nichts anderes sehen werde als speiende Passagiere, entdeckten wir einige Delfine. Wow, ich konnte es kaum glauben und habe die ersten Minuten auch aufs knipsen verzichtet. Wie groß sie doch waren - wie wir lernten nicht verwunderlich, denn wir entdeckten die größten Exemplare der Delfine: Die Grindwale sind eine Walgattung aus der Familie der Delfine. Und sie hatten Nachwuchs dabei, einige Babys folgten ihren Eltern dicht im Wasser. Das werde ich nie vergessen und bin mir sicher, auch die anderen Passagiere konnten in diesem Moment die Strapazen der Tour vergessen. Ein paar Fotos konnte ich für Euch auch einfangen.


Super finde ich auch, dass hier nichts bei den Booten angefüttert wird und wir auch nach zehn Minuten wieder abdrehten um die Tiere nicht zu stören. Für Forschungszwecke zur Population auf La Palma knipste die Crew ebenfalls Fotos, die an die Universität gesendet wurden.


Wir passierten außerdem den sogenannten "Flipper Mc Drive" - eine Fischzucht, die einzige auf La Palma, die für die Delfine ein gefundenes Fressen ist. "Die Delfine fragen sich immer wieder, wieso da Netze um ihr Essen gespannt sind, und beißen sich einen Zugang zum Fastfood", erklärte der Tourguide das Pech der Fischer und Glück der Tiere.


Ebenso machten wir einen Halt an den Piratenhöhlen, die sogenannte Schmugglerbucht, die auch über eine Wanderung zu erreichen ist. Die Wanderung werde ich kommende Woche mal ausprobieren - das Ziel scheint sich zu lohnen.


Alles in allem gaben sich die Tourguides wirklich viel Mühe und meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt!


Nach der Tour besuchte ich nochmals die Segeltruppe im Hafen und Dörte backte extra einen Kuchen - und was für einen leckeren! So genossen wir zu fünft an Deck Kuchen, Kaffee (nein ich trinke immer noch keinen Kaffee ;-)) und tauschten uns über meine Delfintour aus. Als wir auf das Wetter zu sprechen kamen erklärte mir Barbara wie die Segler damit umgehen und ich bekam eine Kurzeinführung in die App "Windy". So weiß ich nun, dass Hochdruckgebiete im Uhrzeigersinn aus dem Gebiet raus vom hohen zum tiefen Druck fallen und Tiefdruckgebeite gegen den Uhrzeigersinn verlaufen. Wir beobachteten das Wetter der nächsten Tage in der App und konnten erkennen, dass Madeira und Porto Santo mit heftigen Stürmen zu kämpfen haben und die Ausläufer hiervon die nächsten Tage auch für uns unangenehmeres Wetter mit sich bringen würden. Das hatte auch die Ausflugscrew der Tour berichtet, denn die nächsten Ausflüge werden alle abgesagt werden. Außerdem lernte ich dass eine Wellenfrequenz von 8-10 Sekunden gute Bedingungen sind - Wellen in kürzeren Intervallen machen das Segeln schwerer und ungemütlicher. So kann man in der App die Höhe der Wellen und die Wellenfrequenz an sämtlichen beliebigen Orten erkennen. Als Segler ist es lebenswichtig sich stetig mit dem Wetter auseinander zu setzen um Gefahren zu umsegeln und rechtzeitig agieren zu können. Das nächste Mal zeigen mir Ove und Barbara noch mehr - ich bin gespannt und freue mich drauf! "Aus dir machen wir noch eine richtige Seglerin", haben sich die Zwei vorgenommen :)


Wir entschieden am Abend den Weihnachtsmarkt in Los Llanos auszuprobieren. Vorab wollte ich gerne noch flink den von Dörte und Felix empfohlenen Aufstieg zum Aussichtspunkt El Time machen. Denn von dort sollte man einen wunderbaren Blick auf Tazacorte und die Küste haben. Die 30 Minuten steiler Aufstieg, vorbei an einigen Höhlen, haben sich wirklich gelohnt, aber seht selbst auf den Fotos.


Am Nachmittag zog es uns dann in das bunt beleuchtete Los Llanos um den Weihnachtsmarkt zu besuchen. Wir fühlten uns wie in einer Parallelwelt. Bei über 20 Grad tranken wir unseren ersten Glühwein umgeben von blinkenden Lichtern und Tannenbäumen und wussten, dass fast allen in Deutschland dieses Jahr Markt und Glühwein verwehrt bleibt. Also schätzten wir es umso mehr. Der Zutritt wurde hier auch wieder sehr gut geregelt, Daten erfasst und viele Sicherheitskräfte behielten die Situationen im Überblick. "Mit so viel Platz haben wir noch nie einen Weihnachtsmarkt besucht", scherzte Ove. Imposant war auch die riesige Krippe - so eine große habe ich deinfitiv noch nie gesehen. Einige Familien nutzen die Chance beim Markt um Fotos mit dem Weihnachtsmann zu machen und diese zu verschenken. Die Kinder wurden ordentlich rausgeputzt und wussten genau wie sie posieren mussten - es war herrlich dieses Treiben zu beobachten und vor allem die strahlenden Kinderaugen zu sehen, wenn der Weihnachtsbaum in den kitschigsten Farben beleuchtet wurde. Da wackelten einige Windelpopos im Tackt zur Musik und es lag eine ausgelassene, friedliche und leichte Stimmung in der Luft - ein Moment war Corona nicht präsent und das tat sichtlich gut!


Eine schöne Entdeckung machte ich dieser Tage auch in Santa Cruz. Eigentlich wollte ich eine Wanderung mit Startpunkt in Santa Cruz machen, aber dann führte diese durch die Einkaufspassage und die Anziehungskraft manch eines Ladens war einfach größer als die der Wanderung. Ich konnte nichts dagegen tun ;-) Und so landete ich in Cristinas Lavalädchen. Cristina besitzt den Laden seit 18 Jahren und kommt ursprünglich aus dem Schwabenländle - sie ist also auch eine Deutsche, die sich in diese Insel verliebt hat. Ich wollte mir gerne eine Kette mit kleinen Lavasteinen kaufen und Cristina fertigt diese individuell an. Sie hat so schöne Schmuckstücke mit tollen Farben und Formen kombiniert, schlicht und auffällig - da wird wirklich jeder fündig. In Erinnerung an mein Sabbatical wollte ich gerne drei goldene Steine (für drei Monate) zwischen den Lavasteinen anbringen - und sie setzte meinen Wunsch binnen ein paar Minuten um. Die meisten Ketten sind mir zu lange, ich wollte diese gerne eng am Hals tragen und auch das war kein Problem. So habe ich nun mein persönliches Unikat in Form einer Kette und eines Armbandes und freue mich jeden Tag darüber. Und auch das ein oder andere Weihnachtsgeschenk konnte ich hier finden. Danke Cristina für deine Zeit und die schönen individuell handgefertigten Arbeiten - ich kann einen Abstecher bei Cristina nur empfehlen ( direkt neben der beliebten Placeta in Santa Cruz). Und nein, das ist keine bezahlte Werbung - sondern eine Empfehlung von Herzen, denn ich unterstütze gerne kleine Läden wie diese.


Vielen Danka auch für Eure lieben Nachrichten zum Tanz vergangene Woche - auch diese Woche hatte ich die Möglichkeit wieder einmal zu tanzen und zwar mit meinen lieben Ladenburger Mädels. Corona macht es möglich: da der Unterricht nun virtuell stattfindet wählte ich mich als Überraschung aus La Palma ein. Es hat riesig Spaß gemacht, danke liebe Simone und ich hoffe wir sehen uns alle bald wieder im Tanzwerk! Ich sende Euch Sonne nach Ladenburg.


Und last but not least möchte ich hier noch ein ganz besonderen Dank an jemanden richten, der sich kaum in Worte fassen lässt. Liebe Sonja, danke für deinen Support - nicht nur, dass du damals das Sabbatical genehmigt hast, auch dein Support hier auf La Palma ist unbeschreiblich. Ich spüre jeden Tag mehr wieso du diese Insel so liebst. Ich freue mich so sehr auf unser Wiedersehen und sende Euch Sonne - Danke, danke, danke!


Und da ich nun schon wieder bei 18 Minuten Lesezeit angelangt bin belassen wir es hierbei - und ich kann Euch schon jetzt versprechen, die letzten Tage waren auch sehr spannend mit einer Wanderung am Vulkankraterwand und vielem mehr: doch dazu dann nächste Woche weitere Infos. Liebe Grüße an meine treuen Leser ins verschneite Deutschland (ja, ich habe heute ungefähr 20 Fotos von Euch bekommen und weiß Bescheid :D ), in die Schweiz, nach Österreich, Frankreich, Spanien, Italien, Schweden, England, USA und Indonesien - schön, dass ihr alle "dabei bleibt", ich freue mich auch von Euch zu lesen <3


Eure Laura



































































































































































































































































































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