Day 58-65 / Die Insel der 1000 Gesichter

Hallo ihr Lieben,


nachdem ich vor einer Woche von fast Jedem ein Foto aus dem verschneiten Deutschland bekommen habe (überwiegend mit Freude über die Abwechslung Eurerseits), schätze ich die Sonne hier noch mehr. Der Schnee darf dann gerne an Weihnachten auf mich warten - was die Frage einiger von Euch beantworten dürfte: Ja, ich bin Weihnachten wieder zuhause. Das habe ich meiner Großmama versprochen (die hier auch mitliest, aber die gedruckte Form - da sieht man wieder, Print gewinnt ;-)) Ich freue mich auf ihre Plätzchen (hoffe ihr habt ein paar Vanillekipferln für mich übrig gelassen) und auch auf den Rest meiner Familie, meine Freunde und das dritte ebenfalls sehr wichtige "F": Findus! Für die, die Findus nicht kennen - das ist mein Kater, der gerade bestens von meinem Bruder verwöhnt wird.

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Demnach sind die Tage meiner Reise also gezählt, am 19. Dezember geht es zurück in die Heimat. Aber noch warten einige Abenteuer auf der Insel hier auf mich und auf die letzten Tage freue ich mich ganz besonders :-)

Diese Woche verging wieder wie im Flug und nun sitze ich hier auf der Terrasse mit Blick aufs Meer und mit Blick in die Vergangenheit und lasse sie mit Euch Revue passieren.


Meine Learnings der vergangenen Tage:


- zum ersten Advent leuchtet hier keine Kerze sondern die Sonne! Hätte mich schlechter treffen können!


- Ost- Westkonflikte gibt es nicht nur in Deutschland! Der Sonne sei Dank.


- Ich mag es auch mal vom Weg abzukommen, außer ein Hund, der Ähnlichkeit mit dem Biest Fluffy von Harry Potter hat, kreuzt diesen. Das mag ich nicht!


- Wer will findet Wege, wer nicht will Gründe. Und: der kürzeste Weg ist ein Lächeln!


- Man sollte niemals bei Fremden ins Auto einsteigen, außer es sind die wohl herzlichsten Spanier aus Lanzarote, die um mein Leben bangten - thanks God, das ersparte mir 900 Höhenmeter!


- Alles darf sein, alles hat seine Berechtigung - solange es im Einklang ist: sagt die Banane!


- Teleskope ermöglichen den Blick auf die Sterne - oder wie in meinem Fall: den Blick auf Licht mit Fliegendreck. Romantisch war es trotzdem!


Den ersten Adventsonntag haben Barbara, Ove, Dörte, Felix und ich mit einer Wanderung verbracht. Hier brannte keine Kerze des Adventskranzes, sondern die Sonne und das Vulkangestein. Bei strahlend blauem Himmel erkundeten wir den Vulkan San Antonio und wanderten Richtung Küste nach Los Canarios (Fuencaliente). Der Startpunkt der Wanderung war das Besucherzentrum, welches wir zunächst besuchten. Hier gab es einiges Interessantes über die Entstehung der Kanaren und alle Vulkane zu erfahren. Der Vulkan Teneguía ist zuletzt übrigens im Jahr 1971 ausgebrochen, so dass je nach Windrichtung tatsächlich auch noch Schwefelgeruch in der Luft liegt. In La Palma bebt übrigens auch heute noch regelmäßig die Erde, oft kaum spürbar, aber es gibt Wochen da werden bis zu 36 Beben gemessen. Ich selbst habe vergangene Woche auch zweimal kleine Beben wahrgenommen. Wie sich verstärkte vulkanische Seismik anfühlt kann man im Besucherzentrum nachempfinden, wenn man auf den Steinteppich tritt - der Schreck und Überraschungseffekt beim ersten Schritt war groß, denn es gab keine Vorwarnung des bebenden Teppichs.


Nachdem wir über den Krater des Vulkans liefen führte uns der weitere Weg durch schwarze Sandlandschaften entlang der Lavaströme. Die riesigen Lavabrocken waren wirklich beeindruckend, insbesondere vom Gipfel des Vulkans Tenguía aus konnten wir uns von der zerstörerischen Kraft der Lavaströme ein Bild machen. Auch wenn wir Menschen uns gerne groß machen, hier wird deutlich wie klein wir sind, die Natur gewinnt - und wir haben keinerlei Einfluss darauf.


Umso beeindruckender zu sehen wie in dieser einst kahlen Landschaft nun neues Leben wächst und zahlreiche saftig grüne Pflanzen sich ihren Weg suchen. Und wie auf der ganzen Insel freuten sich auch hier einige Echsen als wir eine Pause machten und leisteten uns Gesellschaft. Das lag wohl weniger an Sympathie und mehr an den knisternden Tüten der Brotzeit. Ich wies die Echsen gemäß DSGVO auf die Verwendung der Bilder hier im Blog hin und sie stimmten der Nutzung gegen Bezahlung in Form von ein paar Brotkrümeln gierig zu.


Doch auf der Tour gab es nicht nur Vulkane zu sehen. An der Südspitze steuerten wir die Leuchttürme und Salinen an. Das war ebenfalls sehr beeindruckend zu sehen - denn die Salinenbecken leuchteten in den unterschiedlichsten Farben. Das ist auf natürliche Verunreinigungen wie Eisenoxid oder Farbpigmente von Mikroalgen zurück zu führen - und tut dem Geschmack natürlich keinen Abbruch. Auf den Fotos könnt ihr die Regenbogensalinen sehen. Um das „weiße Gold“ des Atlantiks zu gewinnen, begann Fernando Hernández mithilfe des Salzmeisters Luis Rodríguez, Ende der 1960er Jahre mit dem Bau der als letzte angelegten Salinen der Kanarischen Inseln. Die Zutaten für leckeres Salz sind Meer, Sonne, Erde, Luft und die vorsichtige Handarbeit des Menschen. Wenig Feuchtigkeit, der häufig blasende Wind und viele Sonnenstunden lassen durch Verdunstung des Meerwassers in den Salzbecken eine 100% natürliche Kostbarkeit entstehen. Und jeder der mich kennt weiß mein Laster ist Salz - ich liebe es! Und so musste ich natürlich das frische Salz direkt kosten. Und ja, es ist definitiv sehr intensiv und lecker - und wie schön, wenn man weiß wo es herkommt: eine Dose Salz darf auf jeden Fall mit Richtung Deutschland!


Auf dem Weg zurück zum Auto begegnete ich erstmals einem Phänomen, dass ich die kommenden Tage immer wieder beobachte. Regenwände auf dem Meer - man erkennt genau, wo sich die Wolken über dem Meer ergießen und kann sogar durch den Regen hindurch sehen. Oftmals sieht man außerdem wandernde Regenbogen - die sozusagen mit den Wolken ziehen. Einfach phantastisch - ich glaube, ich habe es auch in einem Foto für Euch eingefangen! Apropos Wetter ich liebe den Regen hier - meistens sind es nur kurze leichte Schauer und der Regen so fein, dass er kaum spürbar ist. Da musste ich an meine liebe Fotokollegin Ingrid denken, die auch zuletzt wieder daran erinnerte "die einen werden nass, die anderen tanzen im Regen".

Regen ist im Westen der Insel ohnehin ein seltenes Phänomen, wenn man erwähnt dass man im Osten wohnt wird man hier nicht selten mit "Wieso das?" konfrontiert. Da soll mal einer sagen Ost- Westkonflikt wäre Geschichte ;-)

Aber es ist tatsächlich so, wenn sich die Wolken am Gipfel aufhängen und es hier im Osten immer wieder kurze Regenschauer gibt, dann bedarf es nur einer halben Stunde Fahrt und spätestens nach dem Tunnel wartet blauer Himmel und Sonnenschein auf der Westseite. Aber ich liebe die Vielfalt der gesamten Insel und würde weder Ost noch West missen wollen.


Aber zurück zur Wanderung: nach dem salzigen Ende der Tour brauchte es noch einen süßen Abstecher. Da bot es sich an das nahegelegene Café Parada Los Canarios zu besuchen, denn hier gibt es die besten Mandelkekse der Insel. Das mussten wir natürlich testen und können den guten Ruf der Kekse nun ohne schlechtes Gewissen nur bestätigen, frisch zubereitet sind sie super saftig und ließen am ersten Advent doch noch etwas Weihnachtsstimmung aufkommen.


Und wenn ich eines aus den vielen so wertvollen Gesprächen an diesem Tag mitnahm, dann dass manches seine Zeit braucht. Und genau so soll es auch sein, denn alles hat seinen Grund - Geduld war noch nie meine Stärke, aber hier habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt Dinge anzunehmen. Das Sprichwort "Gut Ding will Weile haben" macht in manchen Lebenssituationen durchaus Sinn. Aber nur manchmal - das gilt nicht für die Terminfindung mit spanischen Dienstleistern.


Am nächsten Tag startete ich zu einer Wanderung im Nordosten der Insel. Hier ging es für mich durch die Bananenplantagen, mit Stopp im süßen Städtchen San Andrés, entlang der Küste bis nach Sauces. Bei dieser Wanderung lohnte es sich wieder einmal die Auseinandersetzung mit meiner Wanderapp Komoot einzugehen und etwas von der Route abzukommen, denn so erhaschte ich hinter den verlassenen Häuschen an der Küste einen traumhaften Blick auf das steile Felsmassiv. Das Meer strahlte wieder so klar, dass man jeden einzelnen Stein im Meer erkennen konnte. Im Gespräch mit drei Spaniern entdeckte ich auch ein paar Quallen. Die drei Herren verweilten am Meer, tranken ihren Kaffee und verbrachten ihre Siesta mit Blick auf die Bucht. So lässt es sich leben.


Die Wanderung war landschaftlich sehr schön, nur die Route musste ich weitere zwei Mal anpassen. Denn einmal wachte ein Hund auf dem schmalen Weg (erinnerte mich an Fluffy von Harry Potter - und punktete bei mir weniger mit Sympathie, was wohl auf Gegenseitigkeit beruhte) und das zweite Mal beobachtete ich, dass auf einer Bananenplantage gespritzt wurde, die ich laut App passieren sollte - das wusste ich auch zu meiden. Meine Gesundheit dankt es mir.


Die Wanderungen hier lassen einen übrigens immer wieder zweifeln, ob man noch auf der richtigen Route ist oder bereits private Schleichwege nutzt. Aber La Palma ist eben (zum Glück) weniger touristisch und die Wege dementsprechend zum Teil auch abenteuerlich und besonders. Da wandert man gefühlt durch die Wohnungen der Insulaner. Die Spanier sind ja sehr offene Menschen, so auch ihre Häuser, denn immer wieder sind die Türen sperrangelweit geöffnet und man erhält private Einblicke. So lief ich um die Mittagszeit entlang der Küste begleitet von leckeren Gerüchen aus den Küchen der alten Steinhäuser, freudiges Stimmenwirrwarr beim Mittagessen und zahlreichen freundlichen "Hola cariña". Und das Strahlen der Augen verriet immer wieder die ehrliche Freude der Menschen und steckte direkt an - ja, ein Lächeln ist die kürzeste Verbindung zwischen Menschen und kann so gut tun!


Mein Chef Barna fragte mich dieser Tage wie ich das denn immer mache, dass ich so schnell Menschen kennen lerne. Ich glaube der Schlüssel zum Glück liegt in der Offenheit und Achtsamkeit. Wer genau diese Momente wahrnimmt, dem entgeht kein Gespräch. Wer Interesse hat Dinge zu erfahren, zu hinterfragen oder zu verstehen, den treibt die Neugier. Und meine Erfahrung hat mir gezeigt, die anfängliche Scheu überwindet man schnell, wenn man versteht welches Geschenk in Form von Gesprächen, Momenten und Emotionen auf einen wartet, wenn man Gespräche zulässt. Es gibt so viele Möglichkeiten Menschen kennen zu lernen, man muss sie nur sehen.


Ein besonders schöne Erfahrung machte ich bei meiner Wanderung zur Piratenbucht. Dieser Tag wird mir ohnehin auch als ein einzigartiger meiner Reise in Erinnerung bleiben. Ich will euch berichten wieso. Zum einen wartete eine tolle Wanderung auf mich. Doch zuvor startete ich den Tag mit einem besonderen Kaffee (ja, ich trinke eigentlich keinen Kaffee und meine kaffeesüchtigen Mädels konnten es auch kaum glauben) aber ich musste die kanarische Spezialität probieren und mir wurde das Cafe "El Mirador del Time" hierfür empfohlen, das auf dem Weg zu meiner Wanderung lag. Schon alleine für den herrlichen Blick über die Schlucht Barranco de Las Angustias bis nach Tazacorte lohnt es sich hier einzukehren. Aber auch der Kaffee überzeugte mich: er heißt Barraquito. Formvollendet türmen sich die verschiedenen Schichten aus Kondensmilch, Likör, Espresso und Milchschaum im Glas aufeinander, ohne sich zu vermischen – ein echtes kulinarisches Kunstwerk. Vom Likör ahnte ich bei der Bestellung übrigens noch nichts: die Abende an der Bar mit den Jungs in Fuerteventura machten sich nun bezahlbar - ohne Frühstück und in der Mittagssonne - die Wanderung danach lief trotz Likör einwandfrei! Aber zurück zum Kaffee, der mir vom Chef des Hauses serviert wurde. Ich hatte im Nachhinein erst erfahren, dass der Besitzer gute und weniger gute Tage habe - ich hatte einen sehr guten erwischt, denn er war nicht nur unheimlich freundlich und stattete mich mit sämtlichen Tipps zu meiner Wanderung aus, er berechnete mir lediglich 2.50 €. So wie seine Laune wohl wechseln soll, tun es auch die Preise, da berechnete er einigen Gästen auch schon Mal das Doppelte in der Vergangenheit, wenn ihm danach war. Eine Getränkekarte gibt es hier nämlich nicht. Ich hab auf jeden Fall nur positives zu berichten und versprach ihm wieder zu kommen - hoffentlich an einem seiner guten Tage.


Gut gestärkt ging es dann also zur Wanderung. Mein Ziel war die Porís de Candelaria, die Piratenbucht. Bei der Delfintour hatte ich sie ja schon vom Wasser aus bestaunt, vielleicht erinnert ihr Euch an die Fotos aus dem letzten Blogbeitrag. Man sagt, dass in der Bucht früher Piraten und Schmuggler gehaust hätten. Heute werden die baufällig wirkenden Häuschen hauptsächlich am Wochenende von einheimischen Fischern bewohnt.

Zu Fuß ist die Bucht von Tijarafe aus zu erreichen oder man steuert mit dem Auto den nahegelegenen Parkplatz an, allerdings sollte man sicher sein, dass das Auto über genügend PS verfügt um bei der enormen Steigung auch wieder bergauf zu kommen. Ich entschied mich für den Fußweg. Wieder einmal eine sagenhafte Landschaft und bis wenige Meter vor dem Ziel sah man nichts von der Piratenbucht - da haben die Piraten definitiv die richtige Location gewählt! Erst in der letzten Kurve erblickte man die rund 20 Häuschen. Steintreppen führen herab zum türkis-blauen Meer und laden zum Baden ein. Ein verlassener Ort an dem scheinbar die Zeit stehen geblieben ist. Ein paar Bewohner schleppten schwere Steine zu einem Häuschen, das renoviert wird, ein paar Katzen streunten herum und ansonsten hörte man nur das rauschen der Wellen und blickte durch die große Höhlenöffnung auf die See. Wow! Einer der schönsten Orte, die ich auf meiner Reise besuchen durfte, einfach magisch!


Nun sollte der anstrengendere Teil meiner Wanderung folgen, der Weg bergauf. Rund 900 Höhenmeter warteten. Ich folgte meiner Route in der Wanderapp, die über einen schmalen Weg der Klippen führte. Nach wenigen Metern verließ ich mich auf mein Bauchgefühl und kehrte um. Ich beschloss dem Rundwanderweg nicht zu folgen, sondern den Hinweg auch als Rückweg zu nutzen. Am Tag zuvor gab es in der Region heftige Unwetter und auch wenn der Weg nicht gesperrt war, konnte ich mir nicht sicher sein, dass er geprüft wurde. Und wenn man alleine unterwegs ist sollte man ohnehin sehr vorsichtig sein - und ich bin froh, dass ich umgekehrt war, denn nur wenige hundert Meter weiter lösten sich große Felsbrocken aus den Steilwänden, wie ich später erfuhr.


Der Aufstieg entlang der Straße sollte aber nicht weniger anspruchsvoll werden. Doch es kam anders als geplant. Eine Familie, die auch die Piratenbucht besuchte fragte mich unten am Parkplatz, ob sie mich mit dem Auto mit nach oben nehmen sollten. Ich lehnte zunächst dankend ab, da ich gerne die Wanderung zu Fuß beenden wollte. Auf dem Weg stoppten sie erneut neben mir und fragten mich nochmals. Ich lehnte ab, doch die Familie ließ nicht locker und erklärte mir auf Spanisch: "Es ist so heiß, die Sonne scheint auf den Asphalt und wir haben hier noch einen Platz, es ist wirklich kein Problem, bitte nimm es an, nicht dass du umkippst". Also ließ ich mich breitschlagen, völlig überrumpelt von der Sorge der Familie und der Freude der Kinder, dass ich sie nun ein Stück im Auto begleitete.


Und wie meine Berliner Freundin Rebecca zuletzt noch mahnend sagte: "Dass du bloß bei keinen Fremden ins Auto steigst" - musste ich innerlich schmunzeln, denn es war die beste Entscheidung! Der Weg wäre wirklich sehr kräftezehrend gewesen und die Herzlichkeit dieser Familie hat mich wirklich überwältigt. Wie selbstverständlich baten sie ihre Hilfe an, obwohl ich nicht danach fragte. Und sie waren so interessiert an meiner Reise! Alleine dafür hat es sich gelohnt einmal vom gewohnten Sicherheitsdenken abzukommen, denn nicht alles Fremde ist eine Gefahr - das lernt man beim Reisen. Und man bekommt auch ein Gefühl dafür, wem man trauen kann (Lin, du hattest so Recht dass sich das Gespür von ganz alleine entwickelt)


Der Vater lachte als ich ihn bat mich zumindest die letzten 100 Meter vor meinem Auto bitte raus zu lassen, um die Wanderung zu Fuß zu beenden (ich zeigte ihm auch dass ich genug zu trinken dabei hatte) - das musste dann doch sein. Mit unbeschreiblichem Dank verabschiedete ich mich und wünschte der Familie aus Lanzarote, die nur drei Tage Kurzurlaub auf La Palma verbrachte, eine schöne Restzeit.


Und wie gut, dass ich die letzte Strecke zu Fuß zurück legte, denn so entdeckte ich noch einen Bioladen mit gutem deutschen Brot (das einzige was ich bisher hier vermisst habe;-)) und besorgte gleich eines mehr für Barbara, Ove, Felix und Dörte. Denn nach meiner Wanderung besuchte ich die Vier mal wieder auf einen Sprung am Hafen. Am Abend verbrachten wir den Sonnenuntergang mit Cocktails in Tazacorte (was ein idyllischer Ort mit Blick über die Bananenplantagen aufs Meer) und aßen die beste Pizza der Insel (so sagt man und ich kann dies nun ja auch nach drei Wochen kulinarischer Italienreise gut bewerten) in Los Llanos. Apropos kulinarische Reise, neben der Pizzeria El Geco Libero, sollte man unbedingt einen Stopp bei Frida machen. Das Cafe Frida liegt nicht nur direkt ums Eck, es gibt hier soooo leckeren Kuchen und selbstgemachtes Eis, mein Kommentar vor Ort lautete: "So schmeckt das Leben!" (Sonja, hier müssen wir definitiv nächste Woche vorbei schauen, der Ruf der Kalorien wird immer lauter)


Und als wäre der Tag nicht schon ohnehin von zahlreichen Highlights gekrönt worden, überraschten mich Barbara und Ove mit einem kleinen Nikolausgeschenk, dass ich die Tage danach öffnen durfte. Diese Geste rührte mich so sehr und kann mit folgender Überschrift in meinem Reisetagebuch verbucht werden: "Wenn du auf Reisen bist und auf einmal das Gefühl von Zuhause einkehrt".

Aber ich wurde von den Vier ja auch schon offiziell "adoptiert auf Zeit" - so werde ich zumindest mittlerweile anderen Seglern vorgestellt ;-) Und damit kann ich definitiv leben! :-) Nochmals vielen lieben Dank - ihr seid so wundervoll!


Nun hatte ich ja schon ein paar Mal die Bananenplantagen auf La Palma erwähnt - dazu möchte ich Euch nun etwas mehr berichten. Die Briten führten als erste 1896 im Tal von Los Sauces den Anbau von Bananen auf La Palma ein. Mittlerweile werden auf etwa 3.000 Hektar über 100.000 t Bananen pro Jahr produziert. Fast jede nutzbare Fläche unterhalb von 400, 300 Metern bis hin zur Küste wird für Bananenplantagen genutzt. Diese Monokulturen werden verständlicherweise auch kritisch gesehen. Vor allem auch der Umgang mit Pestiziden und Herbiziden. Ich wollte mich gerne etwas näher mit dem Anbau auseinandersetzen und eine Farm besuchen, die ein besonderes Konzept verfolgt - rein ökologisch und im Einklang mit dem natürlichen Ökosystem. Also buchte ich eine Führung auf der EcoFinca PlatanoLógico.


Ich kann die Führung sehr empfehlen, in drei Stunden lernte ich so einiges. Mit riesigem Enthusiasmus erklärte uns der Besitzer der Farm in Wort und schauspielerischem Talent alles rund um die gelbe Frucht. Wusstest ihr dass:


- Bananen nicht am Baum wachsen sondern an Stauden

- Stauden nur einmalig Früchte tragen und danach absterben

- eine Pflanze am Tag im Durchschnitt 40 Liter Wasser benötigt

- es ca. ein bis 1,5 Jahre dauert bis die Bananenfrucht geentert werden kann

- die Blüte an jeder Banane von Hand entfernt werden muss (primär für das Erscheinungsbild für den Verkauf der Banane - weil der Konsument es nur so kennt)

- sich Bananen durch Wurzelableger vermehren

- Kohlpflanzen in der Plantage Schmetterlinge und Raupen von der Bananenfrucht locken (und es so keine Schädlingsbekämpfung braucht)

- die Calima (Sandsturm) wichtige Mineralien aus der Sahara mit dem Regen bringt

- Bananen aus Kolumbien günstiger sind auf La Palma als die heimischen? (Kranke Welt!)


Das Konzept der Farm ist simpel aber braucht Geduld - die ersten Jahre musste sich das Ökosystem hier erst entwickeln, der Besitzer viel lernen. Alles hier hat seine Berechtigung, alles darf hier sein, hat seine Bedeutung. Schädlingsbekämpfung passiert hier natürlich, zum Beispiel durch den Geruch von Pflanzen. Oder durch natürliche Feinde, die auch auf der Plantage leben.

Die gefürchtete Weisse Fliege wird z. B. vom Marienkäfer verschlungen. Zwischen den

Bananenstauden wachsen auch Zitronengras, Lavendel, Zuckerrohr, Mangos, Papayas, Süßkartoffeln, Wassermelonen, Brokkoli, Ingwer und vieles mehr.

Sie alle helfen die Feuchtigkeit länger im Boden zu halten. Auch der Dünger wird vor Ort produziert. Das ist u. a. die Aufgabe der Hühner, Schafe und der beiden Esel, die wir kennenlernen durften. 80 % ihres Futters stammen von der eigenen Plantage. Die reine Bananenproduktion ist 10-15 % geringer als im konventionellen Anbau, aber dafür spart man die Ausgaben für Pestizide und Chemiedünger und viel wichtiger: die Bananen sind giftfrei und gesund. Einfach faszinierend - ich achte übrigens seit der Führung genau darauf, woher die Bananen kommen, die ich kaufe. Wie sagte der Guide so schön zum Abschluss der Tour: wir sollten uns nur von Menschen umgeben, die uns gut tun, gute Bücher lesen, um uns zu bilden und auch gute Nahrung zu uns nehmen - und dazu gehört zu verstehen woher die Nahrung kommt und was sie in unserem Körper bewegt. Danke für den kind reminder.


Ich hatte an diesem Tag noch eine weitere spannende Tour - die Astrotour! Da La Palma ja wie bereits im letzten Blogbeitrag erwähnt für die Astronomie sehr bekannt ist, ich bisher wenig Berührungspunkte damit hatte, wollte ich auch darüber mehr erfahren. In gut vier Stunden lernte ich einiges über die Himmelsbilder und wieso La Palma das Mekka für den Blick auf die Sterne ist. Von Luftunruhen ungetrübt, ist der Himmel hier so sauber und rein, dass er nur an weit entfernten Orten wie Chile oder Hawaii in Konkurrenz treten kann. Hier gibt es kaum nennenswerte Industrie und auch keine Großstadt – und somit wenig Lichtverschmutzung. Am Treffpunkt der Tour teilte der Guide mit an welchem Aussichtspunkt der Blick in die Sterne möglich war. Aufgrund der wolkigen Wetterlage im Osten ging es also in den Westen und wir fuhren im Konvoi mit einigen Autos nach Puerto Naos. Am stockfinsteren Parkplatz angekommen ging es noch einige Meter zu Fuß Richtung Strand. Hier war keinerlei störende Lichtquelle und der Blick in den Himmel atemberaubend. Noch nie habe ich so einen klaren und hell leuchtenden Sternenhimmel gesehen - Millionen Sterne funkelten und auf einmal wurde mir bewusst wie winzig klein wir auf dieser Erde doch sind. Das erste Mal habe ich auch Sternschnuppen gesehen - gleich drei auf einmal, mein Wunsch habe ich natürlich direkt Richtung Universum geschickt und bei dreifachem Sternenregen sollten die Chancen zur Erfüllung doch gut stehen (sorry ihr Lieben, habe mir keine Millionen gewünscht).

Mit einem Laser zeigte uns der Guide sämtliche Sternenbilder, die Milchstraße und Formationen am Himmel. Über La Palma ist nächtlicher Flugverkehr der Astronomie wegen übrigens verboten, von daher keine Bange zwecks Laserstrahlen!


Ein Highlight der Tour sollte auch der Blick durch das Teleskop sein. Mehrere Sternenbilder konnten wir uns so in Nahaufnahme anschauen. Aber um ehrlich zu sein: für mich waren das nur helle und dunkle Punkte und beim fünften Sternenbild zog ich den natürlichen Blick in den Himmel vor. Gut aber, dass es den Engländern und dem Pärchen aus Belgien ähnlich ging: "Das sieht aus wie Licht mit Fliegendreck", kommentierte ein Engländer passend unsere Gedanken. Aber hey, der Romantik hat es keinen Abbruch getan.


So, nun reicht es für heute - aber um Euch wieder einen kleinen Ausblick zu geben, ich habe gestern eine tolle Wanderung zu den Drachenbäumen gemacht und war heute das erste Mal mit Manolo und Lisa klettern. Wer die Beiden sind, wieso ich meinen Hut vor ihnen ziehe und was ich die letzten zwei Wochen hier noch erlebe - das erfahrt ihr dann beim nächsten Mal!


Seid lieb gegrüßt und fühlt Euch umarmt,


Eure Laura


ps. die Bilder sind wieder im Vorschaumodus, wenn ihr sie ganz betrachten wollt, einfach anklicken.









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