Day 72-85: Muchas Gracias La Palma!

Hallo meine Lieben,


dieses Mal schreibe ich Euch nicht aus der Sonne oder mit dem Wellenrauschen im Hintergrund- ich bin zurück in Deutschland, zurück in meiner Heimat, im schönen Ladenburg. Eingemummelt in meine kuschelige Decke sitze ich nun auf dem Sofa, rechts von mir schläft mein Kater Findus, den ich gerade davon überzeugen konnte, dass die Christbaumkugeln am Tannenbaum wirklich kein Katzenspielzeug sind und links von mir steht ein Teller mit Großmamas Weihnachtsplätzchen und einer heißen Tasse meines Lieblingstees. 16.00 Uhr und es wird schon dämmrig – umso schöner, denn dann funkeln die Lichterketten in meiner Wohnung und draußen vor dem Fenster erst so richtig. Und es ist Zeit die Kerzen anzuzünden. Also um die Frage kurz zu beantworten: mir geht es auch in Ladenburg wunderbar und ich genieße meine Quarantäne in vollen Zügen.

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Neben meinem Ankommen möchte ich Euch aber ein letztes Mal mit in den Süden nehmen und die vergangenen zwei Wochen Revue passieren lassen. Die kommenden Tage wird dann noch ein finaler Blogbeitrag folgen, in dem ich Eure Fragen zur Reise beantworte und mein Resümee aus den drei Monaten ziehe. Also lasst mir bitte Eure Fragen zukommen, die ich gerne integriere. Natürlich anonym 😊


Und außerdem hätte ich noch eine große Bitte an Euch: ich freue mich riesig über die vielen Aufrufe meiner Beiträge und einige Leser haben sich schon die letzten Wochen zu erkennen gegeben. Aber so gerne würde ich wissen, wer alles mit mir virtuell gereist ist. Also hinterlasst doch gerne einen Kommentar im Gästebuch, unter dem Beitrag oder sendet mir eine Nachricht. Wer liest hier mit? Was hat euch bei der Reise besonders gefallen? Gibt es vielleicht Ziele, die ihr nun auch erkunden möchtet? Ich freue mich so sehr von Euch zu lesen!


Vor fünf Tagen wachte ich also das erste Mal wieder in meinem Bett auf- nach drei Monaten. Wer hätte gedacht, dass ich die Reise so lange genießen kann. Und während ich am Morgen zuvor zum Abschied von La Palma vor dem Frühstück noch eine Runde im Meer schwimmen war, begrüßte mich an diesem Morgen in Ladenburg beim Blick aus dem Fenster ein weißer Schleier über der Landschaft und freudiges Kinderlachen. Die Kleinen bauten einen Schneemann und tanzten mit den Flocken um die Wette. Herrlich surreal. Ich brauchte meine Zeit um anzukommen – nicht nur aufgrund der Gegensätze. Wie gut, dass ich die nun hatte: Nicht allezeit der Welt, aber einige Tage Quarantäne, das sollte genügen. Aus heutiger Sicht für mich ein wahres Geschenk. Wie meine Mädels schon voraussagten: das wird dir guttun, die Ruhe vor dem Sturm. Und damit ist weniger meine liebe Familie, sondern mehr das Ankommen vor dem Losziehen gemeint.

Denn wie ich mittlerweile schon mit einigen teilen durfte hält 2021 für mich wieder ein neues Abenteuer bereit: ich ziehe nach Berlin, um einer neuen beruflichen Herausforderung nachzugehen. Und darauf freue ich mich sehr. Und so darf ich Euch heute verraten, was ich vor einigen Blogbeiträgen berichtet hatte. Erinnert ihr Euch an die Astrotour und meine Sternschnuppensichtung und den damit verbundenen Wunsch, den ich natürlich nicht verraten hatte? Ich sehnte mich schon seit fast einem Jahr nach beruflichen Weiterentwicklungschancen und einer Perspektive, an der ich weiter wachsen darf. Und so konnte ich es selbst kaum glauben, als kurz nach der Astrotour dieser Wunsch zum Greifen nah war. Binnen weniger Tage habe ich von der Insel aus alle Hebel in Bewegung gesetzt und die Weichen für 2021 neu gestellt. Und so freue ich mich riesig auf alles Neue was auf mich wartet – und Aberglaube hin oder her: Ich verbinde seit dem Abend mit „Lauras Stern“ nicht mehr nur die Kindergeschichte, sondern ein weiteres zauberhaftes und wahrhaftiges Erlebnis dieser besonderen Insel.


Und ein paar weitere Facetten der Insel möchte ich Euch nun vorstellen.

So habe ich Euch schon beim Hirtensprung am Rande von der Caldera berichtet. Aber was hat es eigentlich mit dieser „Caldera“ auf sich? Es ist der wohl spektakulärste Kessel der Insel mit 8 Kilometern Durchmesser, mit tiefen Kratern, massiven Felswänden und je nach Wetter reißenden Flüssen. Vom Roque de los Muchachos blickt man in die die Caldera de Taburiente, dem bekanntesten Nationalpark der Insel.


Gemeinsam mit Barbara und Ove bestritt ich die letzten Wochen unter anderem zwei Wanderungen, in der ihr Einblicke in die wunderschöne Vielfältigkeit der Caldera bekommt.

So starteten wir von Los Llanos kommend am Parkplatz im Barranco de las Angustias und wanderten entlang des Flussbetts. Dies ist übrigens die kleine Caldera Wanderung, die sich aufgrund der Jahreszeit und dem Wunsch nach einer gemütlicheren Wanderung besser angeboten hatte, als die große wohl schönste Wanderung der Insel, auf die ich mich das nächste Mal freue. Bei dieser fährt man mit dem Taxi zum Startpunkt Mirador de los Brecitos oder wandert in rund acht Stunden 1.300 Meter bergab, sowie 1.100 Höhenmeter bergauf.


So begaben wir uns also gemütlich durch die Schlucht der Todesängste und staunten nicht schlecht umgeben von riesigen Felsbrocken im Flussbett, durch die wir uns zum Teil im Slalom den Weg suchten. Beeindruckend war auch der Flusslauf, der zum Teil unterirdisch versickerte und einige Meter später wieder an der Oberfläche erschien. Der kleine Bach ist bekannt dafür, dass er leider schon einige Leben kostete. So sammeln sich im Falle eines plötzlich einsetzenden Schauers alle Wassermassen des Kessels in diesem Bachlauf, der Boden kann aufgrund der Trockenheit nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen und so verwandelt sich der kleine Fluss zur Lebensgefahr für Wanderer.


Wir hatten für diese Wanderung das perfekte Wetter erwischt. Bewölkt und ab und an ein wenig Regen – bei Sonnenschein heizt sich dieser Kessel besonders auf, so dass wir die Sonne lieber im Anschluss in Tazacorte genossen.

Unser Ziel war die Cascada Colores. Der »Wasserfall der Farben« ist ein ganz besonderes Naturschauspiel. Die Wände wurden von dem sehr mineralhaltigen Wasser in leuchtende Farben versetzt. Doch leider schafften wir es nicht ganz zum Ziel. Nach rund fünf Kilometern stieg sowohl das Wasser im Flussbett und auch die Uhrzeit schritt voran, so dass ich befürchtete es nicht rechtzeitig vor Einbruch der Dämmerung zurück zu schaffen. Also wartet ein weiteres Highlight bei meinem nächsten La Palma Besuch. Doch die Wanderung lohnte sich trotzdem. Je nach Wasserstand ist es gut an der ein oder anderen Stelle die Schuhe auszuziehen oder ein Handtuch im Rucksack zu haben. Manche Wanderer hatten neben dem Handtuch auch ihre Vierbeiner im Gepäck verstaut (siehe Fotos). Die rund 10 km Wanderung war auf jeden Fall sehr lohnend und hat uns gut gefallen.


Fazit: Die Caldera de Taburiente ist ein Muss für jeden Besucher der Insel La Palma. Für nicht Wanderer bieten sich die Miradore La Cumbrecita und der Mirador de los Muchachos an. Beide sind mit dem Auto gut zu erreichen.


Auf dem Roque haben wir wenige Tage später eine weitere Wanderung gestartet, die uns wettertechnisch überraschte. Dieses Mal wartete zwar Sonnenschein und blauer Himmel, doch die Kalima (vereinfacht erklärt Sandwind aus Afrika) brachte kühle Temperaturen mit sich und so starteten wir bei gerade einmal vier Grad in einigen Höhenmetern. Gut, dass uns in der Bewegung wärmer wurde und wir alle unsere Softshelljacken eingepackt hatten.


Los ging es am Mirador de Los Adenes. Die größte Herausforderung bei dieser Wanderung empfand ich -und das bestätigten mir einige andere ebenfalls – die Anreise. Die kurvenreiche Anfahrt von ca. einer Stunde fordert empfindliche Magen. Aber es lohnt sich. Man durchfährt auf dieser Strecke mehrere Klimazonen - beginnend mit subtropischem Klima beim Start am Meer bis hin zu rauem Hochgebirgsklima am Gipfel. Die Straße wurde übrigens ursprünglich gebaut, um die Bauteile für die Sternwarte auf den Roque zu transportieren.


Die 7 km Wanderung auf über 2300 Metern mit rund 300 Höhenmetern ist für jedermann gut machbar. Die Wege sind klar erkennbar und zum Großteil auch gut ausgebaut und gepflastert. Wer nach Wanderungen mit Ausblick sucht wird bei dieser hier absolut bedient. Der Wanderweg entlang dem Kraterrand ermöglicht eindrucksvolle Blicke in die Tiefe und über die Caldera de Taburiente – man fühlt sich schon fast wie ein Vogel, so gut kann man alles überblicken. Deutlich erkennbar treten die Felstürme von Huso und Idafe hervor. Wir passierten auch die Observatorien und bei Bedarf hat man die Möglichkeit von der Wanderung aus einen Abstecher zu einer geführten Tour dort zu machen. Das Bild der eisernen Kugeln in dieser rot, grünen Landschaft fühlt sich für mich nach wie vor jenseits von Erden an. Vom Aussichtsplatz auf dem Gipfel der Fuente Nueva in 2366 m hat man übrigens die besten Chancen die Nachbarinseln Teneriffa, La Gomera und El Hierro zu sehen. Wir konnten an dem Tag trotz oder durch Kalima beobachten wie sich der Teide durch die Wolken kämpfte – sehr beeindruckend.

Das waren für mich auch immer wieder besondere Momente, wenn ich beim Sonnenaufgang die Nachbarinseln im Rot des Lichtes eintauchen sah, zum Teil umhüllt durch Wolken waren die Umrisse doch zu erkennen.


Neben den beeindruckenden Aussichten faszinierte mich vor allem die Farbenpracht der Felswände. Knallig orange, dunkelrot, tiefschwarz und sämtliche Grautöne. Und dazwischen kämpft sich immer wieder saftiges grün durch – auch in diesen Höhenmetern. Die unterschiedlichen Farben der Gesteinsschichten beruhen einerseits auf dem Mineraliengehalt, andererseits der Temperatur der Erhitzung des Gesteins beim Vulkanausbruch.


Die Wanderung war absolut „erfrischend“ – und das nicht nur aufgrund der eisigen Luft um die Nase. Kaum zu glauben, dass wir uns eine Stunde später wieder bei über 20 Grad am Meer aufwärmten.


Apropos Meer und Küste. Da zog es mich die letzten zwei Wochen auch immer wieder hin. So genoss ich nicht nur den morgendlichen Spaziergang am Strand, ich lernte auch weiteres über die Sprachen der Wellen von meinen Segelfreunden. Am Playa Nogales erklärten sie mir mehr über den Spülsaum (also die Kennzeichnungen am Ufer von angespülten Algen und Materialien) und die Anordnung von Wellengruppen, die Wellenlänge und deren Frequenzen. So schärfte ich meinen Blick für dieses wunderschöne Naturschauspiel und habe einige Wellen fotografisch für Euch eingefangen. Besonders beeindruckend waren für mich die riesigen Wellen in La Bombilla, einem süßen verschlafenem Küstenort, in dem die Zeit still zu stehen schien. Zwischen den kleinen Gassen der Fischerhütten streunten ein paar Hunde und man hörte Kinder am Strandufer spielen.

Wir machten uns auf dem Weg zum Leuchtturm und Strand der „Dinosauriereier“ – wie man die runden Steine aller Größen gut umschreiben könnte. Als wären es federleichte Tischtennisbälle, so mühelos bewegte die Brandung unzählige Steine und sog sie mit jeder Welle durch den Sand. Das laute klackern im Rhythmus der Wellen bleibt mir ewig in Erinnerung. Genau wie unsere hochkonzentrierten Sprünge über die Steine (die hoffentlich auch ein Hauch von Leichtigkeit ausstrahlten), die uns weiter zum Playa Los Guirres brachten.

Auf dem Rückweg passierten wir große Klippen, die kurz vor Sonnenuntergang fast minütlich mit einem donnernden Krachen der unheimlichen Kraft der Wellen Stand hielten. Die Fotos des Küstenaufpralls findet ihr untenstehend – das Wasser spritzte mehrere Meter hoch.


Wellen sind doch etwas so Faszinierendes und nicht ohne Grund liebe ich das Zitat „Du kannst die Wellen nicht aufhalten, aber du kannst lernen auf ihnen zu surfen“. Und erinnerte mich zugleich an meinen Ritt auf den Wellen in Fuerteventura.

In La Bombilla erlebte ich auch einen der schönsten Sonnenuntergänge meines Sabbaticals. Während uns oft einige Wolken das Naturschauspiel verwehrten, hatten wir an diesem lauen Winterabend, der sich mehr nach Sommer anfühlte, großes Glück. Wir machten es uns auf ein paar Dinosauriereiern gemütlich und beobachteten, wie der Ozean minütlich ein wenig mehr Licht aufsog und den Himmel in orange, rot und rosa Farben leuchten ließ. Was ein schöner magischer Moment.


Einen Tag zuvor machten wir auch eine tolle Wanderung an der Küste im Norden der Insel. Wir starteten mit dem Auto bei strahlendem Sonnenschein in Tazacorte und steuerten Santo Domingo an. Es wartete – welch eine Überraschung – erneut eine sehr kurvenreiche Autofahrt. Kurz vor Puntagorda zeigte sich ein nicht seltenes Schauspiel, das Barbara skeptisch stimmte. Dichter Nebel zog auf und die Temperaturen purzelten mit jedem weiteren Kilometer. Und auch wenn sie es kaum für möglich hielt, wartete zwanzig Minuten später in Santo Domingo wieder blauer Himmel und warmer Sonnenschein. Was lernen wir daraus: immer positiv denken und abwarten, vieles kann sich so schnell ändern.


Die Wanderung starteten wir am Stadteingang und liefen immerzu bergab zum Aussichtsplatz Mirador del Puerto Santo Domingo. An der Steilküste angekommen trafen wir auf einen Parkplatz der einen phantastischen Ausblick auf den Strand Bujarén und die vorgelagerten Felsen Roque de Santo Domingo, Roque de los Tabaibas und Roque del Guincho ermöglichte. Während Barbara und Ove dann umkehrten wanderte ich weiter auf einem Pfad Richtung Meer, vorbei an einigen kleinen Hütten und bergauf entlang der Küste. Ich will mich ja nicht beklagen, aber die Höhenmeter und die brennende Sonne waren kein Kinderspiel. Trotzdem genoss ich jede Sekunde und buchte während der Wanderung noch meinen Flug bei Condor um (siehe vorheriger Beitrag). Ich entschuldigte mich vorab im Telefonat, dass je nach Dauer des Gespräches wieder ein Anstieg in meiner Wanderung folgen könnte und mangelnde Luft in keiner Verbindung zu Corona stünde sondern mit herrlicher Aussicht auf die Küste verknüpft werden darf. Der Mann war hörbar amüsiert und bedauerte in diesem Fall keinen Videocall wahrnehmen zu können.


Übrigens sahen wir bei der Wanderung Mitte Dezember erste blühende Mandelbäume. Unfassbar, wo dies sonst erst im Februar der Fall ist. Ich freute mich einerseits aber wusste auch andererseits dass dieses klimatische Durcheinander uns irgendwann zum Verhängnis werden wird.


Nach der Wanderung kehrten wir mal wieder im Camu Camu Cafe in Garafia ein, dass ich schon von meiner Wanderung zu den Drachenbäumen kannte. Etwas verkühlt und erschöpft von der Wanderung und der Entscheidung Weihnachten nicht zuhause zu verbringen, schmeckte der Hamburger (der erste in drei Monaten Reise) umso leckerer. Die Speisen werden hier mit viel Liebe angerichtet und sind wirklich köstlich. Also nochmals meine ganz klare Empfehlung für das Café.


Den Norden erkundete ich auch mehrmals in den letzten Wochen. So seht ihr einige Eindrücke auf den Fotos von unbändigem grün, Pinienwäldern und verschlafenen Dörfern. So zum Beispiel Barlovento. Hier machten wir einen Abstecher zum Leuchtturm und dem kleinen Hafen Talavera. Den kleinen Hafen erreicht man nur über schmale Sträßchen, durch Bananenplantagen bestenfalls ohne Gegenverkehr. Am Hafen angekommen, der auf einer Halbinsel liegt und über den Abstieg einiger Treppen erreichbar ist, taucht man erneut in eine andere Welt. Zurück in die Vergangenheit. Puerto de Talavera war einst einer der wichtigsten Ausgangspunkte für den Seeweg. Von hier wurden bis 1950 – erst Zuckerrohr und später Bananen verschifft. „Talavera“ erinnerte mich vor allem an meine Zeit in Würzburg, denn so heißt ein großer Platz auf dem ich nicht nur regelmäßig parkte sondern auch mit meinen Würzburger Freunden einige Volksfeste bis in die frühen Morgenstunden feierte. Und ich war durchaus überrascht als ich erfuhr, dass die Namensgebung der Talavera in Würzburg mit dieser schier kaum erreichbaren Landzunge den gleichen Ursprung hatte. Der Name ist auf eine Schlacht Napoleons in der nordspanischen Stadt „Talavera de la Reina“ zurück zu führen. In Gedanken hob ich also mein Weinglas (Schoppen) und erkundete diesen spannenden Ort. Viele Höhlen und Räume im Lavagestein wurden zu Wohnhöhlen umgestaltet und durch einen hölzernen (weniger vertrauenerweckenden) Vorbau ergänzt. Sogar eine SAT-Schüssel ist auf dem Felsen zu sehen – also TV geschaut werden kann hier prinzipiell auch, falls bei der tosenden Brandung überhaut etwas zu hören ist. Diese Domizile werden wohl nur noch am Wochenende von den Fischern genutzt und die Kraft des Ozeans hat auch schon manches fragile Häuschen ordentlich zugesetzt. Wie ich aber lernte gibt es einige Höhlen auf La Palma, die dauerhaft belebt werden. Man unterscheidet zwischen den legalen Quartieren, für die auch Miete entrichtet wird und illegalen Behausungen. Es gibt immer mehr Menschen die sich bewusst für ein Leben im minimalistischen Stil und im Einklang mit der Natur entscheiden und hier auf La Palma in den Höhlen fündig werden.


Apropos fündig werden – in Barlovento kamen wir an einem riesigen Baum voller Avocados vorbei. Die Äste schienen schier zusammenzubrechen unter der Last an Früchten. Schätzungsweise trug der Baum mehrere hundert Avocados. Einige hingen auch fast in Reichweite und so wagte Ove den Versuch eine Avocado zu ernten. Noch bevor es gelang hörten wir einen Spanier rufen. „Ohje, das ist wohl der Besitzer“, stellten wir uns schon auf eine Standpauke ein. Doch nach einem mahnenden Blick lachte der junge Mann und bat uns zu warten. Mit einer großen Tüte Avocados kam er zurück und übergab sie uns strahlend. Er wollte kein Geld annehmen und beschrieb es als Geschenk. Wieder eine Geste, die mir einmal mehr zeigte, wieso ich die Spanier so liebe. Muchas Gracias – diese Begegnung wird mir immer in Erinnerung bleiben.


Ansonsten verbrachte ich meine letzten Wochen viel Zeit mit lieben Menschen auf der Insel, genoss leckeres Essen und probierte mich immer wieder an neuen Speisen. Während ich vor einigen Wochen noch sagte, dass ich keinen Fisch esse, bezeichne ich mich mittlerweile als „auf dem besten Weg es lieben zu lernen“. So lehnte ich die letzten Jahre zum Beispiel immer wieder Speisen mit Tunfisch ab und merkte auf La Palma, dass es fast acht Jahre her war, dass ich diesen das letzte Mal probierte. Und siehe da: nun schmeckte er mir! Genau wie gebackene Chipirones oder Queso asado – eine Art Schmelzkäse, der mit roter oder grüner Mojo (eine kanarische Art Knoblauchsauce) oder Palmhonig serviert wird. Papas arrugadas gehörten quasi auch zum Inventar unserer Tapas Bestellung – die „Schrumpel Kartoffeln“ – eine bestimmte Sorte Kartoffeln, die ebenfalls mit Mojo gegessen werden. Ohja, La Palma du hast ganz wunderbar geschmeckt!


Die letzten Wochen merkte ich auch wie gut ich die Insel kennen gelernt hatte. Das lag unter anderem daran, dass ich in einer Galerie die Bildmotive über La Palma bei fast jedem Motiv sofort erkannte. Und es waren nicht nur bekannte Plätze, sondern auch kleine Gassen abgebildet oder Kirchen aus ruhigen Ecken der Insel. Das überraschte mich selbst.

Und ich musste schmunzeln als ich einen großen Donut Lieferwagen in Santa Cruz entdeckte und mich daran erinnerte, wo der Herr auf der anderen Seite der Insel wohnte, da ich die kleine Straße mit dem auffälligen Wagen schon ein paar Mal bei der Fahrt nach Los Llanos passierte.

Also Zeit zu gehen? Man sagt bekanntlich, dass man aufhören sollte, wenn es am schönsten ist. Und das kann ich bei meiner Reise unterschreiben. Die letzten Wochen waren für mich besonders schön.


Ich schätzte meine Verlängerung sehr, spürte wie glücklich ich war, welche neuen Abenteuer auf mich warteten und genoss die Zeit mit Menschen auf der Insel, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Ich wusste die Sonne und Wärme zu schätzen, die Freiheit und Unbeschwertheit, die viele in Deutschland so sehr vermissten. Ich spürte den Rückhalt meiner Familie und Freunde und wusste mich auf sie zu freuen.


Und so waren meine letzten Tage auf der Insel einfach perfekt. Ich habe nochmal die beste Pizza der Insel bei El Geco Libero gegessen, den besten Mango-Schoko Kuchen meines Lebens bei Frida genossen, erneut einen Barraquito bestellt und einen wunderschönen Sonnenuntergang erlebt, eine erfolgreiche Ausbeute beim einmaligen shoppen meiner Reise gemacht (Danke an Sonjas Kofferkapazitäten), schöne Souvenirs für meine Lieben zuhause besorgt, das Meer und die Sonne förmlich aufgesaugt und einen wunderschönen letzten Abend in bester Gesellschaft verbracht. Vor allem die Gespräche habe ich so sehr genossen. Mein tierischer Freund auf vier Pfoten namens Bobby fehlt mir schon sehr – aber dafür habe ich nun meinen schmerzlich vermissten Findus wieder, der auch glatt als Hund durchgeht!


Und so verfasste ich kurz vor Abflug am 30. Dezember folgende Zeilen in meinem Reisetagebuch:

30 Minuten bis zum Boarding, 6 Stunden bis ich nach 85 Tagen wieder deutschen Boden unter den Füßen spüre. Mein Bagpack ist voll gepackt - voller Abenteuer, unvergesslicher Momente und Begegnungen die von Fremden zu Freunden wurden. Ich habe so viel gelernt, gelacht, gezittert, geweint (vor Freude) und vor allem gelebt, trotz oder wegen Corona - jede Sekunde genossen und den kleinen Dingen mehr denn je Wertschätzung geschenkt - etwas was sonst in der Hektik des Alltags schlichtweg verloren ging.

Und so fragte mich die Dame am Schalter mit einem Lächeln: "ich hoffe Sie hatten eine gute Zeit?"

Ich musste ebenfalls grinsen und ohne groß nachzudenken antwortete ich: nein, viel mehr - I had the best time of my life ❤️


Der Flieger war kaum besetzt – eine Dame, die eine Reihe hinter mir saß, fing ein Gespräch mit mir an und fragte wann ich anreiste. Sie staunte nicht schlecht als ich ihr sagte, dass ich seit Mitte November auf den Kanaren war. Eine kurze Erklärung zu meiner dreimonatigen Reise und ihr Kommentar „Wow, das ist beeindruckend“, machte mir das Ende der Reise deutlich. „Ready for take off“ – die Durchsage beendete unser Gespräch. Ich war dankbar. Denn ich wollte nun ein paar Minuten für mich haben. Denn nun spürte ich auch das Ende. Ich spürte „the best time of my life“. Der Flieger wurde immer schneller und nun konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Die Emotionen überkamen mich – ein Cocktail aus Gefühlen – eine Mischung aus Dankbarkeit, Stolz, Abschied und Vorfreude. Was hatte ich alles die drei Monate erlebt, was hatte ich mir zugetraut, welche Hürden gemeistert und wie hatte ich mich verändert. Vor meiner Reise sagten viele zu mir, sie würden sich freuen die „neue Laura“ nach der Reise zu treffen. Ich spürte dann einen gewissen Druck an mich selbst. Würde ich mich so verändern? Würde ich wirklich viele Entscheidungen anders treffen, wie alle voraussagten? Und nun spürte ich wie das Flugzeug den Boden verließ und ich wusste: Ja, sie hatten Recht – diese Reise hatte mich wirklich verändert.


Und die Flugangst, mit der ich sonst immer wieder zu kämpfen hatte, hatte dieses Mal gar keinen Raum. Meine Gedanken drehten sich um all die schönen die Erinnerungen der letzten drei Monate. Ich blickte aus dem Fenster, erkannte den Teide und musste schmunzeln – wie oft hat er mich doch schon zum Sonnenaufgang überrascht, nun wollte er sich wohl verabschieden. Und wir flogen über Schneebedeckte Gipfel und Frankfurt wartete mit einem Lichtermeer auf mich, wie ich es gefühlt noch nie so strahlend klar gesehen hatte. Oder vielleicht noch nie so wahrgenommen hatte. Ich bedankte mich für den schönen Flug und steuerte voller Vorfreude Richtung Gepäck und Ausgang – wo ich endlich meine liebe Lorena wiedersehen konnte, die ich auch sehr vermisst hatte.


Und nun bin ich seit fünf Tagen Zuhause. Wurde überrascht mit Blumengrüßen, Willkommensnachrichten, Weihnachtspost, zahlreichen Anrufen und viel Vorfreude auf Spaziergänge, wenn meine Quarantäne beendet ist. Mein Weihnachtsbaum hatte meine Familie am Mittag vor meiner Ankunft im Wohnzimmer aufgestellt. Ich schmückte ihn mit Lichterketten und Christbaumkugeln und meine Weihnachtsdekoration kam auch wieder an ihren festen Platz. Es ist mein letztes Weihnachten in dieser Wohnung, die ich so sehr liebe. Und wie ich schon geschrieben hatte habe ich entschieden mit meiner Familie das Fest der Liebe nochmal zu feiern – weil es dafür kein Datum geben muss.


Und so freue ich mich auch jeden Tag ein Türchen meines Adventkalenders im Januar zu öffnen, denn meine Mama hat mir einen ganz besonderen Fotokalender mit Kindheitserinnerungen gebastelt.


Und mir wird nicht langweilig: Es gab schon erste Vorbereitungen für Berlin, ich sitze an einem Fotobuch zu meiner Reise, für meinen Bruder habe ich auch schon nachträglich einen Geburtstagskuchen gebacken und mein Vision Board für das Jahr 2021 gebastelt.

Denn wenn ich eines 2020 gelernt habe, dann das Träume wahr werden. Wenn wir nur fest daran glauben und dafür kämpfen.

Das war mein Sabbatical. 3 month on the road.


Ps. Und gerade habe ich mein Testergebnis erhalten: Negativ! Wie positiv!

Psps. Und weil der Text so lange war: Danke fürs bis hierher lesen und vergesst Eure Nachrichten und Fragen an mich nicht <3




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