Weihnachten unter Palmen

Ihr Lieben,


eigentlich wäre ich nun schon fünf Tage zuhause und hätte Weihnachten bei meiner Familie verbracht - und die leckeren Vanillekipferl von meiner Großmama gegessen. Zumindest, wenn wir vom Status meines letzten Blogbeitrages ausgehen. Aber wie wir ja alle gelernt haben, kommt es bei meiner Reise immer wieder anders als geplant. Und so schreibe ich Euch heute nach wie vor aus La Palma und berichte Euch wie es dazu kam.


English Text here


Zunächst einmal hoffe ich, dass ihr wunderbare Weihnachtstage hattet - mit leckerem Essen, ruhigen Momenten und lautem Lachen, leuchtenden Kinderaugen und / oder Herzmenschen bei Euch - ob virtuell oder real.


Ich freue mich, dass mein Weihnachten wirklich schön und besonders - wenn auch anders - war. Und wie kam es nun dazu?


Ich hatte mich ja entschieden noch ein paar Tage länger auf der Insel zu bleiben und nicht wie geplant am 19. Dezember, sondern am 23. Dezember zurück zu reisen. Ich habe mich sehr über meine Entscheidung gefreut, denn ich genoss die Insel gerade so sehr und hatte mir nichts mehr als ein paar zusätzliche Tage erhofft. Und ich hatte es ja selbst in der Hand - und wusste ich gehe ein gewisses Risiko ein. Denn die Coronafälle auf Teneriffa stiegen enorm an und die Kanaren (deren Insel nicht separat bewertet werden) drohten nach zwei Monaten wieder den Status des Risikogebietes zu erlangen. Und so kam es tatsächlich. Seit 20. Dezember sind Ausreisen von den Kanaren wieder mit Quarantäne in Deutschland verbunden. Und demnach hätte ich Weihnachten bei Rückflug am 23. Dezember alleine zuhause verbringen müssen. Und den Rückflug am 19. Dezember zu nutzen fühlte sich für mich nach all der Vorfreude über die zusätzlich gewonnenen Tage und ein damit verbundenes abruptes Ende binnen weniger Stunden mit schnellem Packen nicht gut an. Es ist eben kein Kurzurlaub sondern eine dreimonatige Reise, die für mich auch ein besonderes Ende verdient hat. Und so fiel mir die Entscheidung sicher nicht leicht, aber ich habe sie getroffen: Und meinen Rückflug auf 30. Dezember umgebucht.


So sollte es mein erstes Weihnachten unter Palmen werden - ob ich das vor drei Monaten für möglich gehalten hätte? Sicher nicht. 29 Jahre habe ich den 24. Dezember in Ladenburg verbracht. Mit dem Gang zum Friedhof zu Opa, dem Spaziergang mit meiner Familie, Tannenbaum schmücken, Fondue essen und dem gemütlichen Beisammensein. Und ich habe Weihnachten mit meiner Familie immer geliebt - mich bereits Wochen zuvor mit Plätzchen, Deko und Weihnachtsmarktbesuchen in Stimmung gebracht. Weihnachtsstimmung kam dieses Jahr bei mir nicht auf - ich habe mich hier nicht wirklich auf Weihnachten eingelassen. Einerseits sicher aufgrund des milden Klimas, andererseits aber auch weil Weihnachten für mich das Ende meiner Reise bedeutete - und ich sie so lange wie möglich genießen wollte. Und so war Weihnachten keinesfalls eine Entscheidung gegen Ladenburg und meine Familie, sondern vielmehr eine Entscheidung für mich und für ein paar Tage mehr Zauber meines so besonderen Abenteuers. Ich habe hier verstanden, dass Weihnachten auch nur ein Datum ist. Und vielmehr doch zählt, dass man selbst mit der Entscheidung glücklich ist. "Wenn du glücklich bist, sind wir es auch", sagte meine Familie. Und Großmama, ich freue mich riesig auf deine Vanillekipferl, die du extra für mich gerichtet hast. Du wirst sehen, in der Quarantäne sind die wahrscheinlich rucki zucki leer. Und nach der Quarantäne feiern wir einfach nochmal das Fest der Liebe - weil es dafür kein Datum geben muss!


Und so bedanke ich mich wieder einmal bei meinen Mädels und meinen Herzmenschen hier auf La Palma, sowie meiner Familie, die mich bei der Entscheidung unterstützt haben.


Nun wollt ihr sicher erfahren, wie das Weihnachtsfest hier für mich aussah. In Spanien wird Weihnachten am 25. Dezember gefeiert und der 26. Dezember ist ein normaler Werktag. Geschenke gibt es auch erst am 6. Januar. Aber da ich ja mit Deutschen feierte hielten wir an Heiligabend am 24. Dezember fest. Ich startete den Tag mit einem Spaziergang am Strand, anders als angekündigt ohne Regen sondern mit Sonnenschein und blauem Himmel: was ein wunderbares Geschenk! Ich freue mich nach wie vor jeden Tag so sehr über das tolle Wetter hier und an Weihnachten bekam es eine besondere Bedeutung. Nach dem Spaziergang traf ich mich mit Barbara und Ove zum Weihnachtsbrunch in Los Llanos. Carmen (die Familie über die ich im letzten Beitrag berichtete) hatte uns einen tollen Tipp gegeben - das Palmerita Cafe. In einem Hinterhof versteckt frühstückten wir unter Palmen selbstgebackenes Brot, Bananapancakes, Porridge mit frischen Früchten (ich kann mich nur wiederholen, ich liebe dieses saftige Obst hier), Avocadotoasts und selbstgemachte Nussnougatcreme. Der Tag hätte nicht besser schmecken können - in bester Gesellschaft. Danke für diesen wunderbaren Tipp, Carmen!


Anschließend ging es zum Verdauungsspaziergang nach Tazacorte an den Strand - noch mehr Sonne tanken, den Blick über das Meer schweifen lassen und Sand unter den Füßen spüren: einfach einen Moment verweilen, Inne halten und begreifen, welches Glück man gerade erfährt. Ich war mehr als dankbar.

Zurück an Bord bei den Beiden machten wir unsere kleine Bescherung und es gab Kaffee und Kuchen. Die Fahrt zurück nach Santa Cruz nutzte ich um das erste Mal die Weihnachtsplaylist abzuspielen - ganze drei Songs habe ich durchgehalten, dann kam "Stille Nacht, Heilige Nacht" - ich blickte im Rückspiegel auf das glitzernde Meer, fuhr entlang der Palmen-Allee und klappte die Sonnenlichtblende im Auto runter - dann ging der Griff zum Radio und ich musste der Playlist ein Ende setzen und grinsen als im Radio "Walking on sunshine" ertönte - so und nicht anders klingt Weihnachten in der Sonne: Merry Christmas.


Ich freute mich den Abend mit Bobby und seiner lieben Familie zu verbringen. Hier wurde in der Küche ein unfassbar leckeres viergängiges Weihnachtsmenü gezaubert und wir alle platzten schier nach dem leckeren Schokoladensoufflé. Ein großes Lob an die gute Seele der Küche - auch wenn sie und ihre drei Männer mich bei der anschließenden "Mensch Ärger dich nicht"-Partie ordentlich fertig machten ;-) Aber Euch sei verziehen. Denn es war ein so schöner Abend mit Euch und ich möchte mich nochmals bedanken! Und einen neuen Weihnachtsbrauch habe ich hier auch kennen gelernt. So legt man in der Slowakei Geld unter die Teller, verbunden mit dem Wunsch auch im kommenden Jahr Wohlstand zu erfahren. Und nein, auch wenn die Kinder es früher immer hofften - das Geld durften sie nicht behalten ;-)


Mit meiner Familie habe ich natürlich auch telefoniert - ein besonderer Dank gilt meinem Bruder, der mich mit seinen Sprüchen einmal mehr amüsiert hat - was vermisse ich dich und freue mich so euch alle wieder zu sehen! Gestern war sein Geburtstag, da fehlte er mir besonders: ich denke ganz fest an dich Maurice und backe dir wie versprochen in meiner Quarantäne nachträglich einen Kuchen ;-) Apropos Kuchen, einige Versuche beim backen und kochen gingen bei mir ja schon schief. Aber hier auf La Palma habe ich tatsächlich schon drei genießbare Kuchen gebacken! Ob das Glück war oder am Klima hier liegt, werde ich dann also sehen.


Den 25. Dezember habe ich mit einer Wanderung gestartet - ab Santa Cruz ging es 9 km einen Rundweg Richtung alte Wassermühlen und Las Nieves, zurück über ein altes Flussbett und die Markthalle. "Las Nieves" heißt Schnee und eine Wanderung zum Schnee am ersten Weihnachtsfeiertag hätte nicht passender sein können oder? Natürlich lag bei 23 °C kein Schnee. Aber das Dorf mit den 13 Einwohnern erlangte seinen Namen und seine Berühmtheit durch eine Legende. Deshalb pilgern noch heute viele Besucher zur östlich gelegenen Wallfahrtskirche Virgen de las Nieves. Die Bedeutung der Virgen de las Nieves als Schutzpatronin der Insel soll auf ein Ereignis im Jahr 1646 zurückgehen: damals rumorte der Vulkan Tigalate, doch – dem Glauben der Insulaner nach – beruhigte er sich, weil die Jungfrau es schneien ließ.


Die Kirche liegt in der wunderschönen Umgebung von mit Pinien bewachsenen Bergen, Palmenhainen, Gärten und wenigen Häusern an einer Bergflanke. Auch ein Blick in die Kirche lohnt sich - bereits 1517 wurde die Kirche erbaut und hat sich durch großzügige Spenden zu ihrem heutigen Erscheinungsbild entwickelt.


Ich genoss vor allem das kleine Dorfcafe und bestellte schon fast erschrocken routiniert einen Barraquito. Das wird mir in Deutschland fehlen!


Die Wanderung selbst beinhaltete Teilstrecken die sicher einige Jahre nicht gewandert wurden, denn die Wege waren kaum erkennbar und gingen durch Gestrüpp und Gräser, die fast meine Größe erreichten. Ein paar Mal dachte ich an Umkehren, aber da immer wieder Symbole des Wanderweges erkennbar waren, wusste ich, ich bin richtig und meine Neugier trieb mich weiter. Auch bei dieser Wanderung ging es wieder über scheinbar private Wege von Bauern, über ihre Höfe, vorbei an 50 Ziegen, Katzen und Hunden. Dann gab es wieder die sympathischen Hunde und die weniger sympathischen Hunde, die mich lieber einen extra km Umweg in Kauf nehmen ließen als vermutlich bei lebendigen Leibe verspeist zu werden. Ihr Festtagsessen wollte ich dann doch nicht werden.


Der Panoramablick von den alten Mühlen auf Santa Cruz ist auch sehr schön - da lohnt sich der Aufstieg. Diese alten Mühlen wurden früher mit Wasser betrieben, welches mittels eines Kanalsystems zugeführt worden war. Die Mühlengebäude sind heute auch noch teilweise bewohnt.

Besonders faszinierend bei dieser Wanderung fand ich die vielen Gräser, die zu blühen begannen. Am 25. Dezember - wieder ein kind reminder, dass ich alles richtig gemacht hatte. Und so habe ich für Euch auch ein paar Blumengrüße mit der Kamera eingefangen.


Nach der Wanderung war ich am ersten Weihnachtsfeiertag bei der lieben Christina und ihrer Familie zum Essen eingeladen. Christina und ihren tollen Lava-Schmuck hatte ich Euch ja bereits in einem der letzten Beiträge vorgestellt. Wir haben uns auf Anhieb gleich gut verstanden und ich habe sie bei meinen Einkäufen in Santa Cruz immer wieder mal im Laden besucht. Über Weihnachten kamen ihre Kinder zu Besuch, die in Madrid und Nordspanien studieren- gerne wollte sie mich ihnen vorstellen und so freute ich mich auf den Mittag bei ihnen. Es wartete nicht nur ein tolles Weihnachtsmenü, sondern auch interessante Gespräche und zwei quirlige Vierbeiner, von denen vor allem die erst vier Monate alte Siena uns bestens unterhielt. Als kleiner Welpe der Rasse Wasserhund entdeckte sie gerade den kleinen Teich der Familie und somit ihr Element. Dass die Familie einen Garten und ein schönes Grundstück besitzt genoss vor allem Tochter Anna, als sie den letzten Flieger beim ersten Lockdown nach La Palma nahm. "Ich habe abends erfahren, dass meine Uni nicht mehr öffnen darf und nicht gezögert, meine Sachen gepackt und den Flug gebucht - im Nachhinein war das die beste Entscheidung des Jahres", so die 19-Jährige. Denn ihr Bruder hatte leider kein Glück, er konnte aus Nordspanien nicht mehr ausreisen und verbrachte monatelang im Lockdown in seiner kleinen Wohnung. Ich bewunderte vor allem seine Gelassenheit über die damalige Situation, in der keiner wusste, wie lange dieser Lockdown anhalten wird und von welchen Ausmaßen der Pandemie wir sprechen. Aber umso mehr schätzte er es über Weihnachten bei seiner Familie sein zu können. Er lernt aktuell den Beruf des Goldschmiedes auf einer privaten Ausbildungsschule und seine Schwester Anna studiert Ernährungswissenschaften. So ist klar, "Inselkinder" verlassen ihre Heimat zwangsweise spätestens nach dem Abitur, denn hier gibt es weder Universitäten noch berufliche Perspektiven. "Aber darauf habe ich mich gefreut, endlich in eine große Stadt in der es alles vor der Haustür gibt", erzählte Anna. Und um Weihnachten, Ostern und im Sommer kommen alle "Inselkinder" in Scharen wieder heim - genießen ihr Zuhause, treffen sich mit ihren alten Freunden und schätzen das familiäre Beisammensein.


Mich hatte es vor allem interessiert, wie es Christina und ihre Familie auf die Insel verschlagen hatte. Und manchmal braucht es ein paar Anläufe, bis man dort ankommt, wo es sich nach "Zuhause" anfühlt. So zog es Christina und ihren Mann vor über zwanzig Jahren vor allem Richtung Süden: "Ich wünschte mir mehr Sonne, milde Winter und eine andere Lebensmentalität", so Christina. Zunächst zogen sie nach Südfrankreich, von dort ging es nach Andalusien - doch der heftige Wind und kalte Winter lies sie weiter siedeln nach La Gomera - und zuletzt landeten sie in ihrer Herzheimat, wo sie nun seit über zwanzig Jahren leben: La Palma. Aber all die Stopps waren notwendig um zu spüren, was sie wirklich suchten und nun gefunden hatten. Wie schön zu sehen, dass sie hier glücklich leben und sich alles gefügt hat. Seit einigen Jahren lebt nun auch Christinas Schwester mit ihrer Tochter auf der Insel und unterstützt Christina im Laden. Auch wenn 2020 für ihr Geschäft ein sehr hartes Jahr mit massiven Umsatzverlusten war, so spüre ich bei ihnen vor allem Zuversicht, dass sich auch hier wie in ihrer Lebensgeschichte alles fügen wird - und Dankbarkeit für das was sie haben, vor allem sich als Familie!


Und so bin auch ich dankbar dieses Weihnachten für all das was ich hatte - das Meeresrauschen, das leckere Essen, gemeinsames Lachen, frische Luft und warme Sonnenstrahlen, liebe Nachrichten meiner Herzmenschen zuhause und wunderbare Momente mit meinen Lieben hier auf der Insel - denn die schönsten Geschenke sind nicht einzupacken, es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben so besonders machen. Danke - besonders an Ove und Barbara, Sonja und die ganze Familie, sowie Christina und ihrer Familie!


Nun genieße ich meine letzten Tage auf der Insel und werde über meine Wanderungen und Erlebnisse vor Weihnachten und nach Weihnachten aus der Quarantäne berichten - ich bin mir sicher ihr habt Verständnis, dass ich die letzten Sonnenstunden noch 100 % auskosten möchte bevor am 30. Dezember das Flugzeug um 14 Uhr auf La Palma Richtung Frankfurt abhebt! Der Start meiner Rückreise und das Ende meines Abenteuers - zumindest dieses Abenteuers - denn ein weiteres großes wartet auf mich 2021, wovon ich Euch im nächsten Beitrag berichten darf! Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen wie sehr ich mich darauf freue...


Eure Laura






















































































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